Stand: 26.04.2017 16:17 Uhr

Kraftwerk Moorburg: Urteil ist doppelt bitter

Deutschland hat bei der Genehmigung des umstrittenen Kohlekraftwerks in Hamburg-Moorburg dessen Umweltverträglichkeit mit Blick auf gefährdete Fischarten mangelhaft geprüft. Die Behörden verstießen damit gegen EU-Recht, entschied am Mittwoch der Europäische Gerichtshof. Nun droht eine Strafe der EU-Kommission.

Ein Kommentar von Barbara Renne, NDR 90,3

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Die möglichen Auswirkungen des Urteils dürften auch die klagenden Umweltschützer nicht freuen, meint Barbara Renne im Kommentar.

Peng, das saß. Eines der größten Kohlekraftwerke Deutschlands ist genehmigt worden, ohne dass die Zulassungsbehörde genau hingeguckt hat, welche Umweltschäden dadurch entstehen - vor allem, wenn große Mengen Wasser aus der Elbe entnommen werden.

Die Hamburger Umweltbehörde hätte genauer prüfen müssen, ob es nicht auch umweltfreundlicher gegangen wäre. Zum Beispiel mit einem ganzjährig laufenden Kühlturm. Das hätte vielen Fischen den Schreddertod erspart, meinen die Richter.

Bis zur finalen Demütigung

Für Hamburgs von den Grünen geführte Umweltbehörde ist das Urteil des EuGH gleich doppelt bitter. Es war Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet eine grüne Umweltsenatorin das Mega-Kraftwerk genehmigt hat - genauer gesagt: genehmigen musste -, obwohl ihre Partei mit dem Wahlversprechen angetreten war, den Bau des Kraftwerks zu stoppen.

Nach der Wahl kam dann die bittere Erkenntnis: Moorburg lässt sich juristisch nicht verhindern, nur an den Umweltauflagen lässt sich noch drehen. Das tat die Umweltbehörde dann auch: Sie piesackte den Betreiber Vattenfall, wo sie nur konnte - bis zum Schluss. Die Manager bekamen die Baugenehmigung nicht wie üblich zugeschickt, sondern mussten sie sich persönlich aus der Behörde abholen. Die finale Demütigung.

Kraftwerks-Geschichte verlief von Beginn an unglücklich

Hamburg und das verhasste Kohlekraftwerk vor den Toren der Stadt, es war von Anfang an eine unglückliche Geschichte. Eigentlich sollte es nämlich viel kleiner werden. Doch der damals CDU-geführte Senat überredete die Konzernmanager, das Kraftwerk doppelt so groß zu bauen wie ursprünglich geplant. Denn es sollte die Stadt nicht nur mit Strom, sondern auch mit Fernwärme versorgen.

Doch dieser Plan ging gründlich schief: Mit massivem Protest und Klagen verhinderten Umweltschützer und Anwohner, dass die notwendige Fernwärmeleitung unter der Elbe gebaut werden konnte. Die Folge ist, dass Hamburg jetzt ein Riesen-Kraftwerk vor den Toren der Stadt hat, das Unmengen an CO2 in die Luft bläst, aber einen großen Teil seiner erzeugten Energie gar nicht unter die Leute bringen kann. Denn die Wärme, die bei der Stromerzeugung anfällt und eigentlich Hamburger Wohnzimmer heizen sollte, wird jetzt in die Luft gepustet.

Vattenfalls teurer Fehler

Mit dem EuGH-Urteil sinkt die Energieausbeute des Kraftwerks weiter. Denn möglicherweise wird Vattenfall sein Kraftwerk künftig täglich zusammen mit seinem Kühlturm laufen lassen und nicht wie bislang nur an wenigen Tagen im Jahr. Ein Kühlturm, der mit riesigen, stromfressenden Ventilatoren betrieben wird. Das heißt: Die Kohlemengen, die dort täglich verbrannt werden, erzeugen bald noch weniger Energie, die von Abnehmern genutzt werden kann. Das kann auch die klagenden Umweltschützer nicht freuen.

Rund drei Milliarden Euro hat Vattenfall in das Kohlekraftwerk Moorburg investiert. Doch mittlerweile geben die Konzernchefs offen zu: Das würden wir nie wieder machen. 

Weitere Informationen

Moorburg-Genehmigung verstößt gegen EU-Recht

Beim Bau des Kraftwerks Moorburg in Hamburg ist laut EuGH gegen Umweltrecht verstoßen worden. Betreiber Vattenfall darf das Kraftwerk vorerst nicht mehr mit Elbwasser kühlen. mehr

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NDR Info | Kommentare | 26.04.2017 | 17:08 Uhr

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