Stand: 26.10.2019 08:40 Uhr  - NDR 90,3

Fall Lucke: Fegebank unter Druck

von Susanne Röhse

AfD-Mitbegründer Bernd Lucke hat seine Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg wieder aufgenommen. Dass dies ohne Protest geschieht, hatte wohl keiner erwartet. Dass aber Luckes Vorlesungen schlicht nicht stattfinden können, dass der Hörsaal trotz Sicherheitsvorkehrungen gestürmt wird, das war nicht klar - und sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Es sieht ganz danach aus, als hätte weder die Leitung der Universität noch die Wissenschaftsbehörde die Lage im Griff, meint Susanne Röhse in ihrem Kommentar.

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NDR 90,3 Redakteurin Susanne Röhse kommentiert den Protest gegen Bernd Lucke an der Uni Hamburg.

Was ist eigentlich mit Katharina Fegebank los? Die Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin hat in diesen Tagen keine gute Figur gemacht. Sie wirkt überfordert und muss sich viel Kritik anhören. Zu Recht. Dass nun auch die zweite Vorlesung Luckes verhindert und der von Sicherheitskräften bewachte Hörsaal von Protestierern gestürmt werden konnte, erhöht den Druck auf die grüne Wissenschaftssenatorin und Bürgermeisterkandidatin.

Fegebank wirkt wenig überzeugend

In der aktuellen Stunde der Bürgerschaft ergriff sie in dieser Woche kurz nach Bekanntwerden erneuter Tumulte an der Universität das Wort. Anders als sonst wirkte sie wenig souverän und überzeugend. Völlig überflüssigerweise thematisierte sie lang und breit ihren Fehler von der Woche zuvor. Und dabei zitierte sie ihre eigene Presseerklärung, statt einfach klar zu machen, dass sie dafür sorgen wird, die Freiheit der Lehre an der Universität durchzusetzen.

Zunächst keine klare Stellungnahme

Mit dieser Rede konnte sie ihr ungeschicktes Agieren in der Woche zuvor auch nicht ausbügeln. Da hatte sie zunächst nur halbherzig gegen die Störung der Lucke-Vorlesung Stellung bezogen, statt eindeutig klar zu machen: Auch für Professor Lucke gilt die im Grundgesetz garantierte Wissenschafts- und Meinungsfreiheit.

Fall kommt vor den Wissenschaftsausschuss

Dass sich Universitätsleitung und Wissenschaftsbehörde gegenseitig den Schwarzen Peter zuspielen, macht die Sache nicht besser. Fegebank steht weiter unter Druck und wird sich vor dem Wissenschaftsausschuss verantworten müssen.

Lucke wieder im Rampenlicht

Dass es Störern gelang, gleich zwei Vorlesungen von Lucke zu sprengen, sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Besonders ärgerlich: Damit genießt der AfD-Mitbegründer, der eigentlich längst von der Bildfläche verschwunden war, nun wieder öffentliche Aufmerksamkeit. Das hat er nicht verdient!

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 26.10.2019 | 08:40 Uhr

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