Stand: 11.08.2018 08:40 Uhr

Hamburg braucht neue Strategie für den Hafen

von Dietrich Lehmann
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Senat, Opposition und Wirtschaft müssen ihre Grabenkämpfe beenden und ein neues Konzept für Hamburgs Hafen verhandeln, meint Dietrich Lehmann in seinem Kommentar.

Der Umschlag im Hafen sinkt - und das auch in diesem Jahr. Hamburg verliert damit gegenüber der Konkurrenz in Nordeuropa immer mehr den Anschluss. Die Probleme sind zu einem Teil hausgemacht, sagt nun der Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg, Gunther Bonz.

Welthafen Hamburg?

Die Alarmzeichen sind eindeutig. Ohne in Hektik zu verfallen muss sich Hamburg überlegen, wohin der Hafen steuern soll. Schleichender Abstieg zu einem Regionalhafen oder weiter erste Liga? Wenn Hamburg vorne mitspielen will - wozu es für mich kaum eine Alternative gibt - dann geht das nur gemeinsam.

Container liegen zur Abfertigung am Containerterminal Tollerort im Hamburger Hafen. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Kommentar: Hamburg braucht neue Pläne für den Hafen

NDR 90,3 - Der Hamburg-Kommentar -

Der Umschlag im Hafen sinkt auch in diesem Jahr. Hamburg verliert damit gegenüber der Konkurrenz in Nordeuropa immer mehr den Anschluss. Dietrich Lehmann kommentiert.

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Containerzählen reicht nicht

In den vergangenen Jahren hat vor allem die Politik darauf gesetzt, dass die Weltwirtschaft schon irgendwann wieder schneller wächst und dass damit auch mehr Waren über Hamburg transportiert werden. Zu lange wurden nur die Boxen gezählt, die über die Kaikante gehoben wurden. Waren die Zahlen gut, wurde das als Erfolg verkauft, als eigener Erfolg. Bei schlechten Zahlen zeigten viele gerne mit dem Finger auf andere: auf Russland-Sanktionen, auf politische Entscheidungen in China oder auf Umweltschützer, die die Elbvertiefung verzögerten und so dem Hafen das Leben schwer machen würden.

Letzte Chance für die Elbvertiefung

Das stimmt höchstens zu einem Teil: Viele Reeder kommen nur noch missmutig mit ihren Riesencontainerfrachtern die Elbe hoch, fühlen sich Jahr für Jahr verschaukelt von Ankündigungen, dass es bald mehr Platz für die größten Schiffe der Welt geben werde. Wenn in wenigen Tagen oder Wochen die Nachbesserungen der Pläne für die Elbvertiefung beschlossen werden, dann ist das wahrscheinlich die letzte Chance, an dieser Front verlorenes Vertrauen in der Welt zurückzugewinnen.

Aber: Die Elbvertiefung ist nicht alles und löst schon gar nicht alle Probleme des Hafens. Die Spekulationen, ob sich Chinesen im Herzen des Hafens ansiedeln mit einem neuen Terminal, haben viele verunsichert - sowohl die Platzhirsche HHLA und Eurogate als auch die Arbeitnehmer.

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Die Hafenverwaltung HPA kann sich nach Jahren der Durststrecke zwar künftig über mehr Geld aus dem prall gefüllten Haushaltssack der Stadt freuen. Das aber reicht nicht: Die Hafenunternehmen sehen die HPA noch immer nicht als Partner und Dienstleister, sondern als Verhinderer, der ihnen das Leben schwer macht. Die Ankündigung, Mieten und Pachten für - zugegeben günstige - Hafenflächen drastisch zu erhöhen, verhindert Investitionen. Ganz zu schweigen davon, dass so neue, innovative und vielleicht nicht ganz so zahlungskräftige Unternehmen kaum nach Hamburg gelockt werden. Was Hamburg in der Start-Up-Szene geschafft hat, nämlich einen neuen Gründerboom auszulösen, das muss auch im Hafen gelingen.

Hafen bleibt wichtig

Braucht Hamburg aber überhaupt noch einen Welthafen? Ich finde: auf jeden Fall. Auch wenn andere Branchen inzwischen weitaus mehr zum Wohlstand der Stadt und ihrer Menschen beitragen, hängt doch immer noch viel indirekt vom Hafen ab. Nirgendwo sonst in Europa, wenn nicht gar auf der Welt, werden so viele Waren gleich im Hafen oder direkt nebenan weiter verarbeitet. Und diese Ladung per Bahn oder gar mit dem Lastwagen nach Hamburg zu bringen, ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Das sollten eigentlich auch Grüne und Umweltschützer wissen, die gern die Bedeutung des Hafens kleinreden.

Senat, Opposition und Wirtschaft müssen endlich ihre teils kleinkarierten und von Befindlichkeiten geprägten Grabenkämpfe beenden - und ein neues Konzept, einen neuen Plan für Hamburgs Hafen verhandeln.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 11.08.2018 | 08:40 Uhr

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