Kommentar: Wie geht es mir mit den Corona-Regeln?

Stand: 21.11.2020 08:40 Uhr

Jetzt sollen wir möglicherweise auch noch auf die Silvesterböllerei verzichten! Hat zumindest Rainer Wendt, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, gefordert. Und wenn es nach dem Wunsch von Kanzlerin Merkel geht, sollen wir am besten nur noch einen Freund oder eine Freundin treffen. Verlangt uns die Politik mit den Corona-Beschränkungen zuviel ab? Ein Kommentar von Wigand Koch.

Ja! Sich für einen einzigen Freund zu entscheiden, das ist zu viel verlangt - wenn man zum Beispiel drei Jahre alt ist. Kleine Kinder sollten nicht zwischen Freunden wählen müssen. Und sie sollten auch nicht aufs Singen verzichten müssen beim Laternenlauf.

Silvesterböllerei-Verbot wäre für viele ein Verlust

Beides geht mir und dem gesunden Menschenverstand zu weit. Dem Verband der Kinder- und Jugendärzte im übrigen auch. Was die Silvesterböllerei angeht: Wenn sie denn dieses Jahr tatsächlich ausfallen sollte, dann wäre das für viele Menschen, viele junge Leute ein großer Verlust. Versuchen wir, es wenigstens von der positiven Seite zu sehen: Kein Gestank, kein Müll, keine gestressten Tiere. 

Corona-Regeln müssen nachvollziehbar sein

Die Keine-Böllerei-Regel und die Ein-Freund-Regel - damit käme ich klar. Und wenn noch mehr Einschränkungen kommen sollten - ich bin dabei. So lange die Politiker, die Entscheider, die Experten glaubhaft und nachvollziehbar klarmachen können, dass diese Regeln helfen, dass möglichst wenig Menschen krank werden. So viele Menschen sind schon an und mit Covid-19 gestorben.

Viele Menschen stecken in existenziellen Nöten

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Wollen Sie die aktuelle Zahl der positiv auf Covid-19 Getesteten wissen? Nein? Sie ist auch viel zu hoch, als dass man noch die Menschen, die vielen Schicksale hinter den Zahlen, auch nur erahnen könnte. Ganz zu schweigen von allen, deren Leben gerade aus den Fugen gerät. Und ich meine jetzt nicht die, die auf das Fitnessstudio, den Tanzkurs, das Live-Konzert verzichten müssen. Sondern die, denen das Fitnessstudio gehört. Und die Gastronomen ohne Gäste. Die Musiker und Schauspieler ohne Bühne. Die Messebauer, die Kosmetikerinnen, die Reisebüromitarbeiter - stellvertretend für alle, die nicht mehr schlafen können, weil sie nicht wissen, wie die Miete bezahlt werden soll.

Aber daran sind nicht die Politiker schuld. Und schon gar nicht die Wissenschaftler und Virologen. Sondern das Virus. Ich will kein Corona kriegen. Also schütze ich mich (und andere) davor. Und halte mich an die beschlossenen Maßnahmen. Ob sie mir schmecken oder nicht. Warum? Weil ich Vertrauen habe, dass die Experten die richtigen Entscheidungen treffen werden. Im Großen und Ganzen jedenfalls. Was soll ich auch anderes tun? Soll ich toben, brüllen oder heulen wenn ich sehe, wie ganze Branchen im Land drohen, den Bach runter zu gehen?

Geduld ist notwendig

Dem Virus wäre das egal. Bis ein wirksamer Impfstoff da ist, helfen eh nur Geld, Vernunft und Geduld. Finanzielle Unterstützung, für alle, die es brauchen. Vernunft, die sagt: So wenig Kontakte wie möglich. Und Geduld, um all das durchzustehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 21.11.2020 | 08:40 Uhr

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