Anette van Koeverden über die aktuelle Verkehrssituation in Hamburg. © NDR

Kommentar: Staustadt Hamburg - Aufgeben zählt nicht

Stand: 30.10.2021 08:40 Uhr

Hamburg wird in den nächsten Jahrzehnten eine Staustadt bleiben. Das hat Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) in dieser Woche gesagt und dafür viel Kritik einstecken müssen. Von Bankrotterklärung war die Rede und von einer Horror-Botschaft. Ein Kommentar von Anette van Koeverden.

Finde ich es gut, wenn ich mit meinem Auto irgendwann gar nicht mehr in die Innenstadt komme? Nein. Muss ich mich darauf einstellen? Ja. So schlicht ist die Ausgangslage. Denn Hamburg wächst weiter, der Straßenraum ist begrenzt und für alle gibt es weniger Platz. Das bedeutet zwangsläufig, dass nicht mehr jeder mit seinem Auto in die Stadt fahren kann. Die Mobilitätswende, von der Verkehrssenator Anjes Tjarks spricht, ist deshalb die einzige Möglichkeit, dass sich alle weiter in der Stadt bewegen können.

Viele Brücken, viele Baustellen

Ähnlich unausweichlich ist die Sanierung der Brücken, ob für Autos und Lkw oder für Züge. Alle Brücken in Deutschland müssen in den nächsten Jahren saniert oder neugebaut werden. In Hamburg haben wir allerdings besonders viele.

Also alles unausweichlich? Oder wie Verkehrssenator Tjarks fast trotzig sagte: Baustellen können nicht so koordiniert werden, dass es keine Staus mehr gibt? Dann landet man schnell bei: "Kann ich nichts dran ändern, gewöhnt euch lieber dran." Und das ist zu wenig.

Handlungsspielraum ist da

Dass es einen Sanierungsstau gibt, ist nicht neu. Dass Tjarks als Verkehrssenator auf einem heißen Stuhl sitzt auch nicht. Und natürlich kann der Verkehrssenator Entscheidungen anders treffen. Beispiel Kieler Straße, die jetzt zurückgebaut werden und weniger Fahrstreifen für die Autos haben soll. Und das auf einer der Hauptverkehrsadern und Ausweichstrecken für überlastete Autobahnen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Nicht aufgeben

Meine Erwartungshaltung an den Verkehrssenator ist, dass es möglichst wenig Staus gibt. Aufgeben zählt nicht.

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Dieses Thema im Programm:

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