Stand: 09.07.2017 20:20 Uhr

Kommentar: Scholz ist jetzt gefordert

von Hendrik Lünenborg, NDR 90,3 Programmchef
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Die Polizei war offensichtlich nicht vorbereitet, meint NDR 90,3 Programmchef Hendrik Lünenborg.

"Ganz Hamburg hasst die Polizei" schallte bei den Krawallen als Schlachtruf durch das brennende Schanzenviertel. Das ist die größte Lüge der vergangenen Tage. Richtig ist: Ganz Hamburg hasst sinnlose Gewalt. Ganz Hamburg hasst Krawalltouristen. Und diejenigen in Hamburg, die noch Verständnis äußern für linksautonomen Hass, die werden es künftig schwerer haben. Daran lassen Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Andy Grote keinen Zweifel. Sie werden klären müssen, welche Rolle die autonome Szene in Hamburg bei der Gewalteskalation gespielt hat.

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Beuth: "Bitte doch nicht im eigenen Viertel"

08.07.2017 11:30 Uhr
NDR//Aktuell

Er habe "gewisse Sympathien für solche Aktionen", sagt Andreas Beuth von der Roten Flora. Er kritisiert allerdings den Ort – "warum nicht irgendwie in Pöseldorf oder Blankenese?" Video (00:24 min)

Solidarisierung in der Stadt

Dass Andreas Beuth, der Sprecher der Autonomen, Gewalt in der Schanze ablehnt, aber in anderen Stadtteilen ganz ok findet - das zählt zu den beeindruckendsten Dummheiten der vergangenen Tage. Aber zum Glück lassen sich die Bürger dieser Stadt selbst von so einem Schwachsinn nicht davon abhalten, sich mit den Bewohnern des Viertels zu solidarisieren. Tausende rücken mit Besen an - aus allen Teilen der Stadt - und räumen auf. Das ist beeindruckend. So ist das wahre Hamburg und darauf ist der Bürgermeister zu Recht stolz. 

Viele Fragen unbeantwortet

Er selbst ist jetzt gefordert: Olaf Scholz muss schnell erklären, warum unter seiner Verantwortung ganze Stadtviertel zeitweise ihrem Schicksal überlassen wurden. Beim Bürgermeister sitzt der Schock über die Gewalt tief - das sieht man ihm an. Aber warum wurde er eigentlich vom Ausmaß der Gewalt so überrascht? Stand in den Lageberichten der Polizei nicht schon seit Monaten, dass mit heftiger Gewalt, gerade auch von ausländischen Autonomen gerechnet werden muss? Doch - stand da drin - wussten alle. Warum hat die Einsatzleitung eigentlich erst am Freitag neue Kräfte geordert?

Es gibt so viele Fragen rund um den G20 Gipfel. Mit der angekündigten Regierungserklärung am Mittwoch ist es nicht getan. Das Bild des unfehlbaren Super-Machers von der Elbe ist jedenfalls zerstört, sein Höhenflug gestoppt. Und noch ist nicht sicher, wie hart er aufprallt. 

Weitere Informationen

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Hamburgs CDU und FDP fordern nach den G20-Ausschreitungen den Rücktritt von Bürgermeister Scholz. Kanzleramtschef Altmaier nimmt ihn hingegen in Schutz. Scholz sagte, er trete nicht zurück. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 10.07.2017 | 08:20 Uhr

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