Kommentar: Pfusch am Uni-Bau

Stand: 14.11.2020 08:40 Uhr

Hamburgs neues Universitätsgebäude für die Klima- und Geowissenschaftler, das "Haus der Erde", kostet rund 130 Millionen Euro mehr als geplant. Das hat der Senat bekannt gegeben. Eine Planungskatastrophe, meint Reinhard Postelt in seinem Kommentar.

130 Millionen Euro! Damit könnte man alle Finanzsorgen der Hamburger Hochschulen für mehr als ein Jahr in Luft auflösen. Oder fünf neue Schulen bauen. 130 Millionen Euro fließen aber jetzt in die Reparatur einer gigantischen Fehlplanung am Schlump. Versagt haben private Planerbüros - gleich vier hintereinander. Sie haben etwa übersehen, dass Brennöfen beim Öffnen der Türen den benachbarten Kühllabors kräftig einheizen.

Probleme mit Klimaanlagen und Brandschutz

Zu klein sind nicht nur die Klimaanlagen, sondern auch die Betonschächte im Rohbau und der Brandschutz. Kommt Ihnen das auch irgendwie bekannt vor - vom Berliner Flughafen? Versagt hat seit 2014 auch die städtische Baukontrolle. Und das, obwohl Hamburg nach dem Desaster der Elbphilharmonie das "kostenstabile Bauen" eingeführt hat. Zwei Drittel der Bauprojekte bleiben seitdem im Plan. Aber es lässt Schlimmes befürchten, wenn jetzt der Chef des städtischen "Gebäudemanagement Hamburg" bekennt: "Für die komplizierter werdenden Bauten brauchen wir Fachleute, die uns immer mehr abhanden kommen."

Spitzenforschung gerät in Verzug

Hamburg erleidet nicht nur finanziellen Schaden. Die Spitzenforschung gerät in Verzug: Knapp fünf Jahre verspätet soll das "Haus der Erde" fertig werden. Das ist ein Hammer-Problem. Denn Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank muss einräumen: Das beschädigt ausgerechnet Hamburgs Exzellenzcluster Klimaforschung. Hamburg konnte Universitäten wie Potsdam und Kiel auch deshalb ausstechen, weil Fegebank versprochen hat, den Klimaforschern schnell das "Haus der Erde" zu bauen. Jetzt krankt die Exzellenzforschung zu Klimafolgen ausgerechnet an der Klimaanlage.

Mehr Fachleute für die Bauplanung

Es nützt nichts, wenn Katharina Fegebank zerknirscht erklärt: "Ich kann´s immer noch nicht begreifen, warum es so schiefgegangen ist." Der Senat muss für die Zukunft dringend Ingenieure finden und qualifizieren, die den Planungs-Pfusch frühzeitig erkennen. Sonst wachsen in Hamburg munter weiter kleine Elbphilharmonien aus dem Boden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 14.11.2020 | 08:40 Uhr

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