Kommentar: Olympische Spiele in Tokio - "Augen zu und durch"

Stand: 24.07.2021 06:00 Uhr

Nach der Fußball-Europameisterschaft steht mit den Olympischen Spielen in Tokio nun das nächste große Sportereignis an. Und auch hier stellt sich wieder die Frage, wie sich Großveranstaltungen mit der Corona-Pandemie vereinbaren lassen. Matthias Steiner kommentiert.

"The games must go on" - dieser viel zitierte Ausspruch des damaligen IOC Präsidenten Avery Brundage am Tag nach dem Terroranschlag auf die Spiele von München 1972 geht mir natürlich wieder durch den Kopf, wenn ich an die Spiele von Tokio denke. The games must go on, meint das IOC auch diesmal - aber diesmal nur aus finanziellen Gründen.

Spiele hätten während der Pandemie nicht stattfinden dürfen

TV-Gelder und Sponsoreneinnahmen wollten sich die Herren der Ringe natürlich nicht durch die Lappen gehen lassen. Meiner Meinung nach, hätten die Spiele in der Pandemie nicht stattfinden dürfen. Die wirklich Leidtragenden einer Absage wären allerdings diejenigen gewesen, um die es bei Olympia eigentlich geht: die Athletinnen und Athleten. Fünf Jahre lang haben sie dem Traum der Olympiateilnahme alles, wirklich alles, untergeordnet, um auf den Punkt fit zu sein. Dass die große Mehrheit der Aktiven die Spiele will, ist absolut verständlich.

Motto: Augen zu und durch

In diesem Sommer lautet das olympische Motto aber leider: Augen zu und durch. Keine unbeschwerten Feiern im Dorf, keine Familien vor Ort, keine Stimmung in den Stadien - auf all das, was Olympia ausmacht, müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzichten. Stichwort Zuschauer: Um die Ansteckungsgefahr nicht noch weiter hochzuschrauben, hat Japan die Grenzen geschlossen und Fans in den Wettkampfstätten verboten. Die Athletinnen und Athleten kämpfen abgeschirmt in einer Bubble um Medaillen.

Deutschland geht anderen Weg

Hier in Deutschland gehen die Behörden einen anderen Weg. Zumindest beim Fußball. Beim Zweitligaauftakt des HSV auf Schalke waren knapp 20.000 Menschen im Stadion zugelassen - am Sonntag am Millerntor sind es rund 9.800. Ob das unter Pandemie-Gesichtspunkten funktioniert, werden wir in ein paar Tagen wissen. Und in Tokio - da können wir nur hoffen, dass die Zahl der Infektionen beherrschbar bleibt. Wie gesagt, diesmal heißt das Motto leider: Augen zu und durch.

Weitere Informationen
Hamburger Rathaus mit blauem Himmel © digiphot - MEV-Verlag Germany

Der Hamburg-Kommentar - Sonnabend bei NDR 90,3

Jeden Sonnabend um 8.40 Uhr kommentiert die Aktuell-Redaktion von NDR 90,3 das politische Geschehen in Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 24.07.2021 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Menschen stehen in einem Saal bei der Wahlparty der Hamburger SPD © NDR Foto: Reinhard Postelt

Bundestagswahl: SPD in Hamburg stärkste Kraft

Die Wahllokale sind geschlossen. Erste Hochrechnungen zur Bundestagswahl liegen vor. In Hamburg gewinnt die SPD demnach deutlich. mehr