Stand: 20.07.2019 08:40 Uhr

Der teure HVV des Ersten Bürgermeisters

von Reinhard Postelt

Der Hamburger Verkehrsverbund will seine Fahrpreise ab Mitte Dezember um 2,2 Prozent erhöhen. Das liegt über der Inflationsrate in Hamburg von zuletzt 1,5 Prozent und sorgt seit Donnerstagfrüh für heftige Kritik. Steigen dann noch, wie vom Senat gewünscht, genug Autofahrer auf den Öffentlichen Nahverkehr um?

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NDR 90,3 Redakteur Reinhard Postelt kommentiert die Pläne des HVV für Preiserhöhungen.

"Großartige Nachricht für den Klimaschutz und die Energiewende in Hamburg", diese Jubelnachricht von Bürgermeister Peter Tschentscher und Umweltsenator Jens Kerstan verschickte die Senats-Pressestelle am Donnerstagabend. Hatte der rot-grüne Senat den Schuss, die stadtweite Kritik, gehört und die satte HVV-Preiserhöhung gekippt? Leider nein. Dazu schwieg der Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Im Jubeltext ging es um irgendwelche kleinen Umweltprojekte - ein Ablenkungsmanöver.

Falsche Versprechen des rot-grünen Senats?

Ich meine, der Tarif-Vorschlag des HVV, der mit der Wirtschaftsbehörde abgestimmt ist, kratzt an der Glaubwürdigkeit des rot-grünen Senats. Da verspricht Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) vor kurzem, man wolle den HVV-Preis weniger stark erhöhen als bisher, "in Richtung der Inflationsrate". Doch der Vorschlag liegt deutlich drüber. Von wegen "weniger erhöhen" - uns droht die größte Verteuerung seit fünf Jahren.

Bürgerschaft muss noch zustimmen

Formal muss noch die Bürgerschaft zustimmen. Da erleben wir immer das gleiche Ritual: Die Abgeordneten von SPD und Grünen prüfen streng - und stimmen doch zu. Was zählt eigentlich bei Hamburgs SPD noch ein eigener Parteitagsbeschluss? Der lautet, den HVV nur noch in Höhe der Inflation zu verteuern. Und glauben die Grünen wirklich, sie könnten Autofahrer in Bus und Bahn locken, wenn Deutschlands bei einigen Tickets teuerster Nahverkehr noch teurer wird? Was ist ihnen der Klimaschutz wert?

Klimaschutz geht anders

Was alles noch erschwert: Das Konzept des Senats geht bisher nicht auf. Es lautet, nur über die Qualität des Angebots Kunden anzulocken und nicht über den Preis. Deshalb setzt Tschentscher mehr Züge und Busse ein. Doch die Kurve für den Kunden-Zuwachs beim HVV fällt steil nach unten, tendiert gegen Null mit nur noch 0,5 Prozent. Qualität rauf - Preis rauf: Schon bei den Park- and Ride-Plätzen ging das Konzept schief. Viele Autofahrer meiden sie seitdem, das Gegenteil von Klimaschutz. Bus und Bahn erscheinen Vielen im Großraum Hamburg schlicht überteuert. Es ist Zeit, dass sich die Bürgerschafts-Abgeordneten von SPD und Grünen gerade machen und die Preiserhöhung einstampfen, damit ihr Großprojekt "Verkehrswende" nicht zum Rohrkrepierer wird. Das wäre dann eine echte großartige Nachricht für den Klimaschutz in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 20.07.2019 | 08:40 Uhr

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