Kommentar: Immer mehr Autos - Hamburg steht im Stau

Stand: 10.07.2021 08:40 Uhr

Es gibt immer mehr Autos auf unseren Straßen. Die Pkw-Zulassungszahlen sind bundesweit und auch in Hamburg gestiegen. Anstatt auf öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing oder aufs Fahrrad zu setzen, steht die Stadt im Stau. Woran liegt es? Ein Kommentar von Wigand Koch

Stell dir vor, der Senat will die Mobilitätswende und niemand macht mit. Die Hamburger CDU wollte in einer Großen Anfrage an den Senat wissen, wie es um die Pkw-Neuzulassungen steht. Antwort des Senates diese Woche: Sieben Prozent mehr seit 2015. Heißt: 50.000 Autos mehr auf Hamburgs Straßen.

Mehr Autos - mehr Abgase

Das ist super! Für die Autoindustrie. Für alle anderen ist das niederschmetternd - und jeden Tag hautnah erlebbar: Kilometerlange Staus, mehr Abgase und der tägliche Kampf um die eh schon knappen Parkplätze nerven einfach.

Verkehrschaos rund um die Baustellen

Und mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht ist es auch vorbei mit der Corona-bedingten relativen Ruhe auf Hamburgs Straßen. Die Wagenlenkerinnen und -lenker sind zurück - Stoßstange an Stoßstange. Zum Beispiel in Hamburgs Süden: Wer als Pkw-Pendlerin oder -Pendler Anfang der Woche mit dem Auto über die A255 und die Elbbrücken in die Stadt wollte, konnte das Verkehrschaos durch die Dauerbaustelle am eigenen Leib erfahren.

Zu viele Autos sorgen für Staus

NDR 90,3-Hörerinnen und Hörer haben uns erzählt, dass sie bis zu zwei quälende Stunden länger in die Stadt gebraucht haben. Woran liegt es, das es sich so arg staut? Dort und anderswo? An weniger Fahrstreifen, an gesperrten Zufahrten oder an unfähigen Baustellen-Planern? Nein. Es liegt an zu vielen Autos. Ganz einfach.

Wie steht es um die Mobilitätswende?

Warum aber funktioniert Mobilitätswende nicht? Warum wollen die Menschen partout nicht umsteigen auf Busse und Bahnen oder aufs Fahrrad? Der Anreiz fehlt - das Auto ist immer noch Statussymbol, der Leidensdruck ist nicht hoch genug und es ist einfach bequemer und oft schneller, morgens ins Auto zu steigen. Wenn es keinen Stau gibt.

Ich hab ja selbst ein Auto. Und ich hab die Probe gemacht: Den Weg von Zuhause zum Job. Auto gegen Fahrrad. Mit dem Ergebnis, ich brauche nicht eine Minute länger mit dem Rad. Probieren Sie das doch auch einmal. Nicht, weil das Politikerinnen und Politiker wollen. Nicht, weil Ihnen das ein Autohasser oder eine Autohasserin rät.

Wagen Sie sich aufs Rad

Nehmen Sie das Fahrrad: Sie werden attraktiver, interessanter und gelassener sein. Schon allein, weil Sie interessantere Dinge hören, riechen und sehen, als wenn Sie im Auto nur eine Wagenkolonne vor sich haben. Na gut, manchmal nervt Radfahren auch. Die Radwege oder das Wetter. Aber das wissen die, die im Stau stehen ja nicht. Die werden Ihnen nur neidisch hinterher sehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 09.07.2021 | 08:40 Uhr

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