Stand: 11.01.2020 08:40 Uhr

Kommentar: Hamburger SPD wird umworben

von Anette van Koeverden

Freude bei den Grünen, schlechte Stimmung und Kampfgeist bei der SPD. Nach fünf Jahren gemeinsamer Regierung katapultieren sich die Grünen mit einem plus von 16 Prozentpunkten auf 29 Prozent. Die SPD stürzt um 16 Prozentpunkte auf 29 Prozent ab. Die beiden Koalitionäre finden sich auf Augenhöhe wieder. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des NDR. Anette van Koeverden kommentiert.

Anette von Koeverden im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
NDR 90,3-Redakteurin Anette van Koeverden kommentiert die jüngste Umfrage zur Bürgerschaftswahl.

Die Zahlen der neuesten Umfrage zeigen, dass fast alles in Hamburg möglich ist: Rot-Grün, Grün-Rot aber auch Dreikonstellationen mit CDU und FDP. Die haben sich bereits festgelegt und wollen nur mit der SPD ein Bündnis schließen. Eine fast schon absurde Situation für die Sozialdemokraten. Denn obwohl sie in den Umfragen Einbußen hinnehmen müssen und um ihren Machterhalt kämpfen, bleiben sie die Lieblingspartner aller anderen Parteien.

Gemeinsame Erfolge von SPD und Grünen

Warum? Ganz einfach, die SPD hat in den vergangenen neu Jahren vieles richtig gemacht: Die Elbphilharmonie wurde zu Ende gebaut, die Straßen saniert, Hamburger Schülerinnen und Schüler gelten nicht mehr als Sorgenkinder der Bildungspolitik, die Elbe wurde vertieft und die Mietenkrise eingedämmt. Erfolge, die Bürgermeister Peter Tschentscher im Wahlkampf auch benennt, auf die er stolz ist. Das gerade dieses "gute Regieren", wie die SPD es nennt, nun nicht ausreicht für den Erfolg, scheint die Sozialdemokraten fassungslos zu machen.

Dabei übersehen sie, dass auch die Grünen in den vergangenen fünf Jahren vieles richtig gemacht haben: Sie haben Ideologien in der Bildungspolitik abgelegt, einen wirtschaftsfreundlichen Kurs mitgetragen, inklusive Elbvertiefung, sich auch für den Wohnungsbau stark gemacht und die Wissenschaftspolitik vorangebracht. Außerdem profitieren sie vom Bundestrend und der Klimadiskussion. Und letztlich hat Katharina Fegebank ihr Amt als Zweite Bürgermeisterin perfekt genutzt, um sich zu profilieren.

Landesvater oder Hoffnungsträgerin?

Bei der anstehenden Wahl wird es also auf die Frage zulaufen: Er oder sie? Tschentscher als Landesvater, Fegebank als Hoffnungsträgerin. Fehler darf sich jetzt keiner von beiden erlauben, denn die Bürgerschaftswahl wird zwischen diesen beiden Spitzenkandidaten entschieden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 11.01.2020 | 08:40 Uhr

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