Kommentar: Es braucht gute Konzepte für Schule und Corona

Stand: 07.11.2020 08:40 Uhr

Die Zahl der am Coronavirus infizierten Schüler, Schülerinnen und Lehrkräfte in Hamburg nimmt zu. Aktuell sind es mehr als 700 Fälle. Die Gesundheitsämter kommen mit den Rückmeldungen an Schulen und Eltern nicht nach. Viele verstehen auch die Entscheidungen nicht: Mal werden nur die Sitznachbarn Infizierter mit in Quarantäne geschickt - mal ganze Klassen. Der Druck auf den Hamburger Schulsenator wächst. Ein Kommentar von Andreas Gaertner.

Die Lage ist explosiv und Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) droht ein immenser Vertrauensverlust - gerade bei denen, die er als Verbündete braucht: Hamburgs Lehrerinnen und Lehrer. Ja, die Schulen sollten weiter geöffnet bleiben. Das wünschen sich die meisten Eltern, Schüler und Schülerinnen. Aber ich verstehe die sture Haltung des Schulsenators nicht, vor allem in einem Punkt: Warum lässt er nicht Alternativen zum Unterricht für alle in der Schule zu?

Alternative Hybrid-Unterricht

Zum Beispiel den sogenannten Hybrid-Unterricht? Das bedeutet, dass Klassen geteilt unterrichtet werden - eine Hälfte zu Hause per Video, die andere in der Schule. Die Forderungen danach werden immer lauter: bei Schulleitungen, Lehrkräften, Gewerkschaften und Elternvertretenden.

Bessere Möglichkeiten für Online-Unterricht

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Die gebetsmühlenartige Antwort des Senators darauf: Der Lockdown im Frühjahr habe gezeigt, wie problematisch das sei, so Rabe. Eltern würden überfordert oder ans Haus gefesselt, viele Schüler blieben auf der Strecke. Doch Herr Rabe, wir sind ein halbes Jahr weiter und die Schulen haben Tausende Laptops und Tablets bekommen - so gibt es viel bessere Möglichkeiten für den Online-Unterricht.

Rabe folgt nicht den Empfehlungen des RKI

Wenn jetzt aus mehreren Schulen der Ruf kommt: "Lassen Sie es uns doch einfach mal praktisch ausprobieren" - dann ist ein Verbot und das Beharren auf Prinzipien fehl am Platz. Zugegeben: Eine solche Herausforderung wie jetzt in der Corona-Pandemie gab es für einen Hamburger Schulsenator noch nie. Er ist jetzt für die Gesundheit von Hunderttausenden Hamburgern mitverantwortlich. Aber gerade deshalb muss er alle mit ins Boot holen. Auch weil er sich den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) widersetzt, jetzt schon die Klassen in Hamburgs Schulen zu teilen.

Diskussion zulassen

Das will er nur zusammen mit den anderen 15 Kultusministerinnen und -ministern entscheiden - bei einer neuen Corona-Lage. Der rigorose Kurs des Senators nimmt uns die Luft zum Atmen, so hat es kürzlich ein Schulleiter ausgedrückt. Gerade um die Schulen weiter offenzuhalten, müssen wir jetzt über intelligente Konzepte diskutieren. Und eben auch an Schulen, die das wollen, den Plan B ausprobieren. Angeblich hat der Senator auch noch Plan C und Plan D in der Schublade. Wenn das stimmt, muss er seine Pläne jetzt herausholen und eine breite Diskussion darüber zulassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 07.11.2020 | 08:40 Uhr

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