Stand: 04.01.2020 08:40 Uhr  - NDR 90,3

Kommentar: Elphi sollte sich auf Stärken besinnen

von Daniel Kaiser

Plötzlich war der Ton weg. Die große Mikrofonpanne in der Elbphilharmonie war eine Überraschung. Zum ersten Mal in der Geschichte des Hauses musste ein Konzertabend abgebrochen werden. Hamburg sollte die Technik-Panne kurz vor dem dritten Geburtstag der Elbphilharmonie am 11. Januar zum Anlass nehmen, noch einmal darüber nachzudenken, was genau in dem Konzerthaus stattfinden sollte, meint Daniel Kaiser in seinem Kommentar.

Daniel Kaiser © NDR Foto: Marco Peter
NDR 90,3 Redakteur Daniel Kaiser kommentiert den Konzertabbruch in der Elbphilharmonie.

Die ersten drei Jahre haben gezeigt: Die Elbphilharmonie kann nicht alles gleich gut. Wenn Spitzenorchester Brahms, Mahler oder Debussy spielen, sind das Sternstunden. Wenn Igor Levit Beethoven auf dem Flügel zum Leben erweckt, dann spürt man, dass die Elbphilharmonie für genau solche Momente gebaut wurde. Aber sobald Mikrofone und Lautsprecher ins Spiel kommen, wird es problematisch.

Elbphilharmonie kein Haus für alles

Die elektronisch verstärkten Konzerte, die halbwegs gelungen waren, kann man vielleicht an einer Hand abzählen. Pop und Jazz verhallen, auch Lesungen und Theaterszenen bleiben oft unverständlich. Man wollte in den ersten Jahren unbedingt zeigen, dass die Elbphilharmonie ein Haus für alle ist, und hat dabei verdrängt, dass sie kein Haus für alles ist.

Panne kratzt am Image

Die Technik-Panne ist eine Blamage für die Elbphilharmonie und kratzt am Image des Konzerthauses, das in der Champions League mitspielen möchte. Aber so etwas kann passieren. Das St. Pauli Theater und die Elbphilharmonie werden sich schon einigen, wie es jetzt weitergeht. Dafür gibt es Verträge. Diesen Saal angemessen zu beschallen, ist aber ohnehin kaum möglich.

Konzentration auf Stärken des Saals gefragt

Diese Panne könnte deshalb genau der richtige Moment sein, um sich einmal auf die Stärken des Saals zu konzentrieren, nämlich auf die Seiten der Kultur, für die er geplant und gebaut wurde. Die große Herausforderung des neuen Jahrzehnts wird sein, die Elbphilharmonie so zu bespielen, dass die Konzerte so gut besucht bleiben, wo doch der Andrang im Vorverkauf schon jetzt spürbar nachlässt. Das macht man am besten mit Veranstaltungen, die zum Saal passen. Für Veranstaltungen mit Mikro und Verstärker ist die Elbphilharmonie höchstens zweite Wahl.

 

Weitere Informationen
Der Große Saal der Elbphilharmonie hat sich nach Tonproblemen geleert. © NDR Foto: Danny Marques Marcalo

Erstmals Konzertabbruch in der Elbphilharmonie

Wegen einer Panne musste erstmals ein Konzert in der Elbphilharmonie abgebrochen werden. Ein extern angemietetes Mischpult funktionierte nicht. Das Publikum soll entschädigt werden. mehr

Baukräne vor dem Kaispeicher A © dpa

Elbphilharmonie: Die wichtigsten Etappen

Die Idee für eine neue Konzerthalle auf dem Kaispeicher A stammt aus dem Jahr 2001, die Grundsteinlegung erfolgte 2007. Hier finden Sie unsere Chronologie zur Elbphilharmonie. (12.01.2017) mehr

Hamburger Rathaus mit blauem Himmel © digiphot - MEV-Verlag Germany

Der Hamburg-Kommentar

Immer sonnabends um 8.40 Uhr kommentiert die Aktuell-Redaktion von NDR 90,3 das politische Geschehen in Hamburg. Alle Kommentare zum Nachlesen gibt es hier. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 04.01.2020 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Die Hamburger Feuerwehr löscht einen Brand im Stadtteil Billbrook.

Feuerwehr muss gleich zwei Großbrände löschen

Erst Bootshallen in Winterhude, dann eine Autowerkstatt am Billbrookdeich: Am Sonnabend mussten Feuerwehrleute zu gleich zwei Großbränden ausrücken. Verletzt wurde niemand. mehr

Polizisten auf der Hamburger Reeperbahn. © TeleNewsNetwork Foto: TeleNewsNetwork

Corona-Auflagen: Bars müssen nach Razzia schließen

Bei einer Razzia in St. Pauli hat die Hamburger Polizei in der Nacht zu Sonntag zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Auflagen festgestellt. Einige Bars und Clubs mussten schließen. mehr

Stefanos Tsitsipas in Aktion © WITTERS Foto: ValeriaWitters

Tennis: Finale Tsitsipas und Rublew - heute live

Publikumsliebling Stefanos Tsitsipas und Vorjahres-Finalist Andrej Rublew bestreiten das Endspiel beim ATP-Turnier in Hamburg. Der NDR überträgt heute ab 12 Uhr live! mehr

Im leeren Volksparkstadion in Hamburg liegen zwei Bälle im Tornetz. © Witters Foto: Valeria Witters

HSV: Geld der Stadt nur für Stadion-Renovierung

Die Stadt Hamburg will für 23,5 Millionen Euro das Stadiongrundstück des HSV kaufen. Die Finanzbehörde betonte, dass der Club das Geld ausschließlich zur Renovierung des Stadions nutzen dürfe. mehr