Stand: 26.01.2019 07:43 Uhr

Kommentar: Die Handelskammer zerlegt sich selbst

von Dietrich Lehmann

Die Hamburger Handelskammer hat es nicht geschafft, sich auf eine neue Führung zu einigen - bei der Präses-Wahl hat kein Kandidat die notwendige Mehrheit erreicht. Die Krise der Kammer verschärft sich.

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NDR 90,3 Redakteur Dietrich Lehmann kommentiert die Krise der Hamburger Handelskammer.

"Stopp! Aufwachen! Es reicht!", will ich am liebsten rufen. Es ist wie ein Albtraum. Und es ist noch nicht mal klar, wann der endet. Die Hamburger Handelskammer ist dabei, sich selbst zu zerlegen. Mit hohen Zielen war die Gruppe der sogenannten Kammerrebellen vor zwei Jahren angetreten: Pflichtbeiträge abschaffen, die Kammer schlanker, effizienter und kundenorientierter machen.

Ziele der Rebellen verfehlt

Davon ist nicht viel geblieben. Kammerbeiträge müssen die Unternehmen weiter zahlen, es gibt nur ein paar wenige Erleichterungen für kleine Betriebe, die größeren werden dafür mehr zur Kasse gebeten. Ja, die Kammer hat Personal abgebaut - aber zu einem hohen Preis: Teure Abfindungen mussten gezahlt werden. Erfahrene und hochgeschätzte Mitarbeiter sind freiwillig gegangen. Die Kammer blutet aus.

Rebellion unter den Rebellen

Und die einstigen Kammerrebellen rebellieren jetzt gegeneinander. Es gibt ja auch kaum noch einen Gegner innerhalb der Kammer für die "Wir-Gruppe", wie sich die Rebellen offiziell nennen.

Ihrem Anführer Tobias Bergmann war das im Dezember genug, er schmiss hin und ward nicht mehr gesehen. In den Vordergrund drängten daraufhin die einstigen Weggefährten Torsten Teichert und Johann Killinger. Letzterer ist ein gestandener gewiefter Unternehmenslenker und Hafenunternehmer. Der erste ein empathischer, aber manchmal aufbrausender "Bildungsmensch", der es auch in der Wirtschaft zu etwas gebracht hat. Beide haben einen harten Wahlkampf geführt - und damit sogar noch mehr zur Spaltung der Kammer beigetragen.

Keine Zeit für Selbstmitleid

Die Luft sei bleihaltig, sagt der gescheiterte Präses-Kandidat Teichert. Es gehöre schon eine gewisse Leidensfähigkeit dazu, sich ein Ehrenamt in der Kammer anzutun. Das aber ist ein selbstgewähltes Leid, alle im Plenum haben sich selbst aufgestellt, sind jetzt in der Verantwortung.

Hamburg braucht gerade jetzt eine starke, geordnete, wahrnehmbare Kammer. Brexit, US-Handelsstreit - die Liste der Probleme ist lang, mit denen die Wirtschaft konfrontiert ist. Deshalb: Aufwachen! Kommt zur Vernunft in der Handelskammer!

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 26.01.2019 | 08:40 Uhr

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