Klimareport: Hamburg hat Klimaziel von 1,5 Grad schon gerissen

Stand: 23.09.2021 16:53 Uhr

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hat am Donnerstag den ersten Klimareport für Hamburg vorgestellt. Er enthält Daten vom Beginn der Wetteraufzeichnungen bis heute. Außerdem zeigt der Klimareport den Trend für die Zukunft bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf.

Jetzt kann man es mit Zahlen belegen - der Klimawandel ist auch in Hamburg deutlich erkennbar. In den letzten 140 Jahren ist die Temperatur im Jahresmittel insgesamt schon um 1,7 Grad gestiegen. Damit hat die Hansestadt laut dem Report das Pariser Klimaziel von 1,5 Grad, gerechnet von der Industrialisierung bis heute, bereits überschritten. Deutschlandweit sieht es ähnlich aus: Hier liegt der Wert bei 1,6 Grad, weltweit nur bei 1,1 Grad.

Ein Thermometer zeigt Temperaturen über 30 Grad an. © dpa-Bildfunk Foto: Sven Hoppe
AUDIO: Erster Klimareport für Hamburg vorgestellt (1 Min)

Auch die Vegetationszeiten verändern sich durch die Erwärmung. Bereits heute finden die Hasel- und die Apfelblüte im Schnitt etwa zwei Wochen früher statt, entsprechend werden auch die Früchte früher reif.

Sommer trockener - Winter mit mehr Niederschlägen

Der Report, den der Deutsche Wetterdienst (DWD) gemeinsam mit der Umweltbehörde vorgelegt hat, gibt auch einen Blick in die Zukunft: Man wird im Winter deutlich mehr Niederschläge haben, während die Sommermonate trockener werden. Auch muss sich Hamburg auf häufigere und intensivere Starkregenereignisse einstellen.

Nach der Prognose wird die Temperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts nochmals um mindestens 0,5 Grad steigen - unter der Voraussetzung, dass sehr ambitionierte Klimaschutzziele erreicht werden.

Lage ist "dramatisch"

Umweltsenator Kerstan fasste die Lage als "dramatisch" zusammen. Klimafolgen seien nicht mehr zu vermeiden. "Wir können nur noch entscheiden, mit welcher Wucht uns das Ganze treffen wird", erklärte Kerstan. "Die Ergebnisse des Klimareports für Hamburg sind erschreckend", erklärte auch der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu), Malte Siegert. "Es ist bereits zehn nach zwölf und die Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen." Jetzt gehe es um Schadensbegrenzung. "Wir alle müssen unsere Lebensweise fundamental ändern. Und wir brauchen Politiker, die das ehrlich und angstfrei angehen." Christiane Blömeke vom BUND fordert endlich einen wirksamen Klimaplan für Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.09.2021 | 12:00 Uhr

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