Stand: 07.12.2018 13:50 Uhr

Kaffee-Rache am Chef: Bewährungsstrafe

"Ein Fall wie aus einer Psychologiezeitschrift", meinte der Richter: Das Hamburger Amtsgericht hat eine frühere Mitarbeiterin des Kosmetikkonzerns Beiersdorf am Freitag wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt.

Mediation war gescheitert

Die 61-Jährige hatte ihrem Vorgesetzten heimlich Medikamente in den Kaffee geschüttet, weil sie nicht mit ihm zurecht kam. Schon lange hatte es zwischen den beiden Konflikte gegeben. Der Arbeitgeber Beiersdorf hatte ihnen schon einmal eine Mediation angeboten. Als diese scheiterte, überließ man die Konfliktparteien aber wieder sich selbst. Die Frau sei so überfordert gewesen, dass sie den Kollegen nur noch loswerden wollte, sagte der Richter. Deshalb schlich sie sich drei Mal in sein Büro und tröpfelte ihm ein Antidepressivum in den Kaffee.

Der Mann aber bemerkte, dass an seinem Kaffee etwas seltsam war. Ihm fielen braune Flecken auf dem Milchschaum auf. Argwöhnisch geworden, installierte er eine Videokamera in seinem Büro - und überführte die Kollegin. Die 61-Jährige ist ihren Job seither los. Sie hatte fast 40 Jahre bei Beiersdorf gearbeitet.

Auch Kritik am Arbeitgeber

Der Richter kritisiert in seinem Urteil auch die Verantwortlichen in dem Konzern: Diese hätten sich nach der gescheiterten Mediation weiter um den Konflikt zwischen der Mitarbeiterin und ihrem Vorgesetzten kümmern müssen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.12.2018 | 14:00 Uhr

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