Stand: 28.08.2020 10:32 Uhr

Integration - der mühsame Weg des Ankommens

Vor fünf Jahren sind etwa eine Million Geflüchtete nach Deutschland gekommen, davon mehr als 40.000 nach Hamburg. Etwas mehr als die Hälfte, nämlich rund 22.300, blieben in der Stadt. Viele haben hier ein neues Leben begonnen, Deutsch gelernt, einen Job und eine Wohnung gefunden. Einer von ihnen ist Oubaida.

Obaida und seine Familie leben in Jenfeld  Foto: Susanne Röhse
Der 34-jährige Syrer Oubaida kam vor fünf Jahren nach Hamburg. Er arbeitet als IT-Spezialist. Seine Frau Ebtesam und Tochter Jouri zogen nach. Sohn Samir wurde in Hamburg geboren.

Im Herbst 2015 endet Oubaidas Flucht aus der syrischen Stadt Homs in einem Gewerbegebiet in Altona. Gemeinsam mit etwa 1.000 anderen Geflüchteten wird der heute 34-Jährige nach seiner Ankunft in einer großen Halle im Rugenbarg untergebracht. Es ist eine sehr schwierige Zeit, ohne jegliche Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten. Fast ein Jahr wartet der gelernte Fachinformatiker auf seinen Deutschkurs. "In einem Moment hatte ich keine Geduld mehr", gibt Oubaida zu. Ohne Gewissheit, ob seine Familie auch nach Hamburg kommen wird, weiß der junge Mann oft nicht, wie er weitermachen soll. Jeden Tag telefoniert er mit seiner Frau Ebtesam und seiner damals dreijährigen Tochter Jouri. Er lernt Deutsch, macht noch einmal eine IT-Ausbildung - und wartet.

Erlösung nach drei Jahren Warten

Irgendwann ist er endlich da, der Moment, auf den Oubaida drei Jahre lang gewartet hat: Seine Familie kommt nach Hamburg. Für alle ist das eine sehr emotionale Situation. Seine Tochter ist inzwischen sechs Jahre alt, seine Frau hatte die Hoffnung auf ein Familienleben schon fast aufgegeben.

Nach 50 Besichtigungen zieht die Familie aus einer Unterkunft in Wandsbek in eine eigene Wohnung in Jenfeld. Vor wenigen Wochen wird ein kleiner Sohn geboren, Samir. Oubaida arbeitet inzwischen bei einer großen Firma als Netzwerkadministrator. Ebtesam, die gelernte Agraringenieurin, möchte möglichst schnell auch einen guten Job finden. Jouri ist eingeschult worden und besucht die erste Klasse.

Träumen vom Heimatgefühl

Die Familie ist auf einem guten Weg. "Ich habe Arbeit, ich habe Deutsch gelernt und wir versuchen wirklich, Kontakt mit Menschen zu haben", sagt Oubaida. Gerne würden sie sich mehr mit anderen austauschen, Freundschaften schließen und Menschen kennen lernen. Freunde und Verwandte sind natürlich weit weg, viele Bekannte haben sie bisher noch nicht. Die Kultur sei hier eine andere, erklärt Oubaida, da sei das manchmal nicht ganz leicht. Ihre Kinder werden es da ein bisschen leichter haben, hoffen seine Frau und er.

Weitere Informationen
Die bisherigen Modulhäuser der Flüchtlingsunterkunft Neugraben-Fischbek © NDR Foto: Kathrin Erdmann

Integration in Neugraben-Fischbek: Mehr Neben- als Miteinander

In Neugraben-Fischbek ist vor etwa fünf Jahren eine große Flüchtlingsunterkunft entstanden - für 1.500 Menschen. Noch immer leben dort 1.200 Geflüchtete. Wie geht es ihnen dort heute? (27.08.2020) mehr

Ein Flüchtlingsjunge steht mit Geschenken in den Armen im Bahnhof in Hamburg-Harburg. © dpa Foto: Daniel Reinhardt

Flüchtlinge in Hamburg

Viele Flüchtlinge suchen Schutz in Hamburg. NDR.de sammelt hier Nachrichten, Reportagen und Interviews zum Thema Flüchtlinge in Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 31.08.2020 | 10:18 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Zwei Gartenstühle lehnen an einem Gartentisch. Der Tisch ist dadurch sichtlich gesperrt. © picture alliance Foto: Karl-Heinz Spremberg

Neue Corona-Einschränkungen: Gastronomen entsetzt

Die verschärften Corona-Einschränkungen treffen zahlreiche Branchen in Hamburg. Vor allem Gastronomen haben kein Verständnis. mehr

Blick auf den Eingangsbereich des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Erstmals ist in Hamburg eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Es handele sich um einen Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). © picture alliance Foto: Bodo Marks

Mehrere Corona-Fälle im Hamburger UKE

Drei Patienten auf der Transplantationsstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf wurden positiv getestet. mehr

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt

Corona-Regeln in Hamburg: Ihre Fragen an Melanie Leonhard

Hamburgs Gesundheitssenatorin beantwortet heute von 11 bis 12 Uhr live bei NDR 90,3 Ihre Fragen. mehr

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) spricht über neue Corona-Maßnahmen. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Tschentscher: Hamburg trägt neue Corona-Einschränkungen mit

Bund und Länder haben neue Corona-Einschränkungen für den November beschlossen. Hamburgs Bürgermeister Tschentscher steht hinter den Maßnahmen. mehr