Immer mehr jüngere Corona-Patienten auf Intensivstationen

Stand: 30.03.2021 17:17 Uhr

In Hamburg erleben immer mehr jüngere Covid-19-Patientinnen und -Patienten einen schweren Krankheitsverlauf. Auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen müssen zunehmend intensivmedizinisch betreut werden.

Das Agaplesion Diakonieklinikum in Eimsbüttel verzeichnet zunehmend schwere und langwierige Covid-19-Verläufe von jüngeren Patientinnen und Patienten ohne Vorerkrankung auf ihrer Intensivstation. Das Pflegepersonal und Ärztinnen und Ärzte dürfen nur mit kompletter Schutzkleidung die Zimmer betreten. Dort werden sie tagtäglich mit den Ängsten der Patientinnen und Patienten konfrontiert. "Aus Patientensicht sind das 10 bis 14 Tage, anstrengend und voller Horror. Immer die Angst im Nacken, dass man es nicht schafft, das irgendwas passiert, dass man das nicht überlebt", sagt Antje Holst, die Ärztliche Leiterin der Intensivstation.

Intubieren wird hinausgezögert

Krankenschwestern und Pflegekräfte arbeiten im besonders geschützten Teil der Intensivstation des Universitätsklinikums Greifswald mit Corona-Patienten. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Die Behandlung von Covid-19-Patienten ist oft langwierig und wenig kalkulierbar,

Im Diakonieklinikum versucht man so spät wie möglich zu Intubieren, also einen Schlauch in die Luftröhre einzuführen, um Patientientinnen und Patienten künstlich zu beatmen. Denn diese medizinische Maßnahme ist mit zahlreichen Risiken und möglichen Langzeitfolgen verbunden. Inzwischen könne man bei Covid-19 gut einschätzen, wie lange man mit der Beatmung warten kann.

Oft plötzliche Verschlechterung

Der Krankheitsverlauf dagegen sei schwer vorherzusagen. Die Situation bei Covid-19 verschlechtere sich oft plötzlich, berichtet Ines Wunsch, die stellvertretende Pflegeleitung. "Covid-Patienten können von jetzt auf gleich Luftnot bekommen, dann haben sie keinen Sauerstoff mehr. Man muss viel mehr auf diese Patienten eingehen und viel mehr Erfahrung haben", so Wunsch weiter.

Weniger Operationen auf anderen Stationen

Die Kapazität der Intensivstation bestimmt längst den Krankenhausalltag. "Alle anderen Abteilungen, wie Gefäßchirurgie und andere, müssen täglich nach freien Intensivbetten fragen. Sie dürfen immer nur operieren, wenn ein Intensivbett frei ist. Und tatsächlich operieren wir tatsächlich nicht so viel, wie wir könnten," so der Klinikleiter Jörn Wessel.

Kliniken könnten an Belastungs-Grenzen kommen

Aktuell ist in Hamburg die Lage bei den Intensivbetten noch nicht kritisch. Der Klinikchef warnt trotzdem davor, das als Pandemie-Indikator zu verwenden. "Das haben wir Weihnachten gesehen, wir waren komplett voll hier." Zudem steige die Zahl der Patienten steige immer mit zwei bis drei Wochen Verzögerung. Daher sei schwer vorher zu kalkulieren, ob eine Überlastung drohe, so Wessel.

24 Corona-Intensivpatienten im UKE

Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) werden derzeit 24 Covid-19-Intensivpatienten betreut, so Klinikleiter Stefan Kluge im Interview mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. Das UKE verfüge über 140 Intensivbetten. Die Corona-Patientinnen und -Patienten seien im Alter von 17 bis 79 Jahren und teilweise sehr schwer erkrankt. Der Altersdurchschnitt liege derzeit bei 56 Jahren.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 29.03.2021 | 19:30 Uhr

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