Ihr Leben in der Pandemie: Der Lehrer

Sendedatum: 24.02.2021 19:30 Uhr

Wie hat die Pandemie Ihr Leben verändert? Unter dieser Fragestellung starten diese Woche NDR 90,3 und Hamburg Journal eine neue Serie und begleiten sieben Hamburger und Hamburgerinnen durch die Corona-Zeit. Darunter Jens Schopper von der Reformschule Winterhude.

von Katrin Spranger

Leere Flure, leeres Klassenzimmer - es ist untypisch einsam in der Schule. Doch es ist sein neuer Alltag: Jens Schopper, Lehrer im Homeschooling an der Reformschule Winterhude. Seit Dezember hat er seine Lerngruppe aus der Klasse 5 bis 7 nur noch digital getroffen. Unterricht per Videokonferenz - vor einem Jahr noch kaum vorzustellen.

An den Digitalunterricht gewöhnt

"Am Anfang war das sehr besonders, wie wir das gemacht haben. Und wir waren alle, vor allem auch die Schülerinnen und Schüler, überrascht, wie viel dann geht", sagt Schopper. "Also, dass wir uns erreichen, dass sich die Schüler zusammen treffen können, privat im Chat, jeder an seinem Schreibtisch sitzen kann und die arbeiten aber trotzdem zusammen. Da haben wir uns alle dran gewöhnt."

Schule als Ort des selbstständigen Lernens

Jens Schopper unterrichtet Mathe und Projekt. Ein Fach, in dem sich seine Schülerinnen und Schüler ein Thema aussuchen, das sie selbst erarbeiten. Zwei Schüler haben einen Film gedreht. "Das sind viele Schritte in die Selbständigkeit. Wenn wir das als Schule schaffen, Schule als Ort des selbstbestimmten selbständigen Lernens zu verwandeln, als das in einem klassischen Schulsystem der Fall ist, dann kommt das dieser ganzen Situation entgegen, weil wir genau das brauchen", sagt Schopper.

Schüler vermissen ihre Freunde

Die zwölfjährige Lina wartet auf ein Einzelgespräch. Sie hat Fragen zu ihrem Projekt. Ihr fehlt das gemeinsame Lernen mit Freundinnen und Freunden, sie wünscht sich den Unterricht vor Ort zurück. Denn in der Schule sei eine Nachfrage leichter geklärt, als online, sagt sie: "Dann muss ich halt den Lehrer anschreiben und muss vielleicht ein bisschen warten, weil die anderen helfen. Zwar ist das in der Schule genauso, aber man weiß, ich komm gleich dran, und bei Teams ist es so, man weiß nicht, ob die Lehrer die Nachricht gesehen haben, ob sie angekommen ist und ob man dann Hilfe bekommt", erzählt Lina.

Mehr Nähe durch Einzelgespräche

Die Hilfe kommt - im Unterricht oder im Einzelgespräch. Mindestens einmal die Woche vereinbart Jens Schopper einen Termin mit jeder Schülerin und jedem Schüler, um individuelle Fragen zu klären. Das funktioniere sogar besser als während des Präsenzunterrichts, findet er: "Wenn ich in Planungsgesprächen 1:1 mit Schülerinnen und Schülern bin, habe ich hier über eine Videokonferenz eine entspanntere und deutlich konzentriertere Umgebung. Da haben wir so ganz plötzlich Situationen, obwohl man das eigentlich gar nicht glaubt, wo es ein kleines bisschen persönlicher wird, weil man ganz viel Ruhe zusammen hat."

Stress zu Hause nimmt zu

Sozialpädagogin Constanze von Appen vermittelt zwischen Schülerinnen, Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, wenn es hakt. Lehrer Schopper bespricht sich mit ihr. Denn der Stress zu Hause steigt, der Redebedarf nimmt zu. Meist ist die Lage jedoch einfach zu lösen. Ein paar Schülerinnen und Schüler machen dem Pädagogen-Team dennoch Sorgen: Die gleichen, wie schon vor dem Lockdown. Nun sei es aber schwieriger, den Kontakt zu halten. "Es gibt aber auch Schüler, wenn man anruft, die melden sich dann nicht oder die machen halt nicht gern die Kamera an. Das Gefühl ist schwierig, weil man kriegt sonst ganz viel durch Gestik und Mimik und Körperspannung mit. Es ist wirklich schwieriger zu sehen OK, ist es jetzt was Ernstes?", sagt Constanze von Appen.

Wie geht es nach den Ferien weiter?

Das sollte einfacher werden, wenn die Schüler zurückkehren. Dafür würde Schopper am liebsten mit Eltern, Schülerinnen und Schülern individuell entscheiden, wer wo besser lernt: "Dann würden da vielleicht zehn Schüler sitzen, bei denen wir das Gefühl haben, die sind jetzt hier genau richtig. Aber es würden nicht die da sitzen, für die es eigentlich so gut klappt." Jens Schopper und seine Schülerinnen und Schüler sind gespannt, wie es nach den Märzferien weitergeht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 24.02.2021 | 19:30 Uhr

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