Stand: 27.11.2019 11:59 Uhr

IS-Unterstützung: Bewährungsstrafen für Familie

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat eine Familie aus Neumünster wegen Unterstützung einer Terrororganisation zu Bewährungsstrafen verurteilt. © NDR Foto: Elke Spanner
Die vier Angeklagten wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat am Mittwoch eine Familie aus Neumünster wegen Unterstützung der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu Bewährungsstrafen verurteilt. Die Eltern und die erwachsenen Kinder hatten der jüngsten Tochter Geld ins IS-Gebiet in Syrien geschickt. Die vier Angeklagten hatten vor Gericht behauptet, das Geld sei nur für den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen gedacht gewesen. Laut Gericht hatten sie jedoch gewusst, dass sie damit den IS finanziell unterstützten. Der Vater bekam neun Monate, Mutter und Sohn erhielten jeweils ein Jahr und drei Monate, die Tochter wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Gericht: "Keine Überzeugungstäter"

Der Vorsitzende Richter sagte, die Angeklagten hätten aus familiärer Verbundenheit gehandelt. Überzeugungstäter seien sie nicht. Nach Überzeugung des Gerichtes wussten sie aber, dass sie mit dem Geld auch die Terrororganisation IS unterstützten. Die Tochter sei eine glühende Verfechterin des IS gewesen und habe auch im Familienchat immer wieder von ihrer Begeisterung für die Terrororganisation gesprochen. Dennoch hätten die Familienmitglieder sich moralisch verpflichtet gefühlt, ihre Angehörige in Syrien zu unterstützen.

"Steuer" für Terrormiliz

Die Tochter der türkischstämmigen Familie war nach Angaben der Staatsanwaltschaft 2016 nach Syrien ausgereist. Aus der IS-Hochburg Rakka habe sie die Eltern und Geschwister in Neumünster und Hamburg um Unterstützung gebeten. Das Geld sollte zugleich als "Steuer" an die Terrormiliz gehen, wie ein Gerichtssprecher sagte. Laut Anklage brachten die Eltern (55 und 54), ein Bruder (32) und eine Schwester (30) insgesamt mehr als 27.000 Euro zusammen und schickten das Geld über Mittelsmänner nach Syrien.

Staatsanwaltschaft forderte mehrjährige Haftstrafen

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte für den Bruder dreieinhalb Jahre Haft gefordert, für die Schwester drei Jahre. Die Mutter soll für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Allein der Vater soll mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren Haft davonkommen. Die Verteidiger hatten für den Fall einer Verurteilung Bewährungsstrafen für alle vier Angeklagten beantragt.

Weitere Informationen
Das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg . © dpa / picture alliance Foto: Christian Charisius

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.11.2019 | 12:00 Uhr

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