Eine IS-Rückkehrerin hält sich einen Aktenordner im Gerichtssaal vom Oberlandesgericht Hamburg vor das Gesicht. © NDR Foto: Elke Spanner

IS-Rückkehrerin vor Gericht - 15-jähriger Sohn starb in Syrien

Stand: 13.01.2022 18:00 Uhr

Eine 44 Jahre alte Frau muss sich seit Donnerstag vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht verantworten. Sie soll mit ihrem Sohn nach Syrien gereist sein und sich dem "Islamischen Staat" (IS) angeschlossen haben.

Die Bundesanwaltschaft legt ihr die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und fahrlässige Tötung zur Last. Die zweifache Mutter aus Bad Oldesloe war vor sechs Jahren zum IS nach Syrien ausgereist. Ihr 15-jähriger Sohn absolvierte laut Anklage in einem Ausbildungslager eine militärische Ausbildung und wurde von der Terrormiliz aktiv im Bürgerkrieg eingesetzt. 2018 kam er bei einem Bombenanschlag ums Leben.

Nachricht an den Bruder: "Märtyrertod"

Als ihr Sohn tot war, schickte die Angeklagte eine Nachricht an ihren älteren Sohn, der in Deutschland geblieben war. Er solle sich freuen, schrieb sie ihm. Sein kleiner Bruder sei "den Märtyrertod gestorben". Als die Staatsanwältin das am Donnerstag in ihrer Anklage vortrug, hörte die 44-Jährige unbewegt zu.

Anwalt der Frau spricht von Verarbeitung der Trauer

Sie soll damals als überzeugte Anhängerin des IS ihrem Mann nach Syrien nachgefolgt sein. Der Anwalt der Frau versuchte zum Prozessauftakt, das Bild zu entkräften, sie habe ihr Kind für die Zwecke des IS geopfert und sei auch noch stolz darauf. Dass sie damals von Freude über den sogenannten Märtyrertod gesprochen habe, sei Ausdruck der Verarbeitung ihrer Trauer. Der Junge selbst habe den Aufenthalt in Syrien "als Abenteuer" gesehen. Der Angeklagten drohen mehrere Jahre Haft.

VIDEO: IS-Rückkehrerin vor Gericht (1 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.01.2022 | 17:00 Uhr

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