Stand: 11.06.2019 10:53 Uhr

Havarie der "No.5 Elbe": Frachter fuhr korrekt

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Vorbereitung der Bergung: Am Montag ist ein Schwimmkran am Lotsenschoner "No.5 Elbe" im Einsatz.

Auch drei Tage nach der Havarie des Lotsenschoners "No.5 Elbe" ist die genaue Unglücksursache noch nicht bekannt. Aber eines steht jetzt schon fest: Das Containerschiff, das in Richtung Elbmündung unterwegs war, fuhr korrekt auf der rechten, nördlichen Fahrwasserseite - diese ersten Ermittlungsergebnisse hat die Wasserschutzpolizei am Montag mitgeteilt. Auf der Brücke des 141 Meter langen Frachters soll zudem ein Lotse gewesen sein. Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich derzeit auf das Verhalten der Schiffsführung des Segelbootes. Am Lotsenschoner haben am Montag indes die Vorbereitungen für die Bergung begonnen.

Ein Helfer arbeitet an der Takelage des havarierten Lotsenschoners "No.5 Elbe"

Havarie: Lotsenschiff "No.5 Elbe" gesunken

Hamburg Journal -

Der Lotsenschoner "No.5 Elbe" ist vor Stade in der Elbe mit einem Containerschiff kollidiert und dann gesunken. Beinahe wäre das Unglück zu einer Katastrophe geworden.

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Traditionssegler kreuzte gegen den Wind

Der historische Schoner war am Sonnabend auf der Elbe auf Höhe Stadersand mit dem Containerschiff kollidiert und später gesunken. Sechs Erwachsene und zwei Kinder wurden mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Laut Polizei war der Traditionssegler auf dem Weg nach Hamburg und kreuzte gegen den Wind.

Saniert, gesunken und gehoben: Das Drama um die "No. 5 Elbe"

Wende führte Segler vor den Bug des Frachters

Zum Zeitpunkt des Unglücks kam die "No.5 Elbe" dem Containerfrachter laut Polizei dann auf dessen nördlicher Fahrseite entgegen. Das Museumsschiff wurde von einem 82 Jahre alten pensionierten Elblotsen gesteuert. Erst als sich beide Schiffe weiter angenähert hätten, sei der Segler eine Wende nach Süden gefahren und dabei direkt vor den Bug des Frachters geraten. Die "No.5 Elbe" sei vom Bugwulst des Containerschiffes erfasst und dann an dessen Seite gedrückt worden. Dabei schlug der Segler leck und ein Mast zerbrach.

Durchgehende Schiffe haben Vorfahrt

Nach den Seeschifffahrtsregeln hat die durchgehende Schifffahrt auf der Elbe Vorfahrt vor kreuzenden Schiffen. Das Segelschiff, so sagten Experten zu NDR 90,3, hätte die Wende früher ausführen müssen, um einen sicheren Abstand zum Containerschiff einzuhalten.

Warnungen über Funk

Bereits vor der Kollision soll es Funksprüche von anderen Schiffen gegeben haben, die die Schifffahrt vor der Fahrweise des Lotsenschoners gewarnt hätten. Auch soll die Besatzung eines dieser Schiffe die Verkehrszentrale deshalb über Funk kontaktiert haben. Offenbar war der Segler für längere Zeit auf der nördlichen Fahrwasserseite unterwegs und damit eine Gefahr für entgegenkommende Fahrzeuge. Auch der Frachter soll noch kurz vor dem Zusammenstoß ohne Erfolg versucht haben, die Crew des Lotsenschoners über Funk zu erreichen, wie NDR 90,3 berichtete.

Kapitän setzte Notruf über Funk ab

Ob die Schiffsführung des Segelschiffes die Funksprüche gehört und - wenn ja - warum sie nicht reagiert habe, müsse noch geklärt werden, sagte ein Polizeisprecher. Das Funkgerät an Bord der "No.5 Elbe" war intakt: Nach der Kollision setzte der Kapitän laut Polizei einen "Mayday"-Spruch ab.

"Erfahrene Besatzung"

Eigentümerin des Lotsenschoners ist die Stiftung Hamburg Maritim. Vorstandsmitglied Joachim Kaiser sagte NDR 90,3 zu dem Unfall: "Das Schiff ist seit vielen Jahren in Fahrt, mit genau der gleichen Besatzung." Das gelte auch für den Schiffsführer. "Es ist überhaupt keine Frage, dass das erfahrene Leute sind", sagte Kaiser. "Die sind mit dem Revier vertraut." Es müsse nun abgewartet werden, was bei der Untersuchung herauskommt.

Crew hatte Gäste vor dem Zusammenstoß am Heck versammelt

Zurzeit des Unfalls waren nach Angaben der Polizei bei einer Gästefahrt 43 Menschen an Bord, darunter 14 Besatzungsmitglieder. Die Crew hatte den Zusammenstoß nach Informationen von NDR 90,3 kurz zuvor kommen sehen, alle Gäste an Bord am Heck des Schiffes versammelt und so möglicherweise Schlimmeres verhindert.

Bergung wird vorbereitet

Der Segler war noch während des Sinkens abgeschleppt worden und liegt nun im Mündungsbereich des Flusses Schwinge auf Grund. Die Feuerwehr hat das Denkmalschiff mit Stahlseilen an Land gesichert. Am Montag begannen die Vorbereitungen für die Bergung.

Wie groß sind die Schäden?

Ob der leckgeschlagene Lotsenschoner von Land aus oder mit Schwimmkränen geborgen wird, ist noch offen. Darüber beraten Vertreter der Versicherung zusammen mit der Stiftung Hamburg Maritim. Unklar ist noch, wie groß die Schäden an der Backbordseite des Schiffsrumpfes sind - dort war der Lotsenschoner mit dem Wulstbug des Containerschiffes zusammengestoßen. Damit die Bergung überhaupt erst möglich ist, wurden am Montag mithilfe eines Schwimmkrans lose Teile am Rigg und Teile der Masten abgebaut.

Traditionssegler erst kürzlich restauriert

Noch ist unklar, wie es mit der "No.5 Elbe" weitergehen soll - und ob sie sogar wieder flottgemacht werden kann. Möglicherweise sind lediglich einzelne Planken und Spanten eingedrückt, so die Hoffnung der Stiftung Hamburg Maritim. Der Lotsenschoner war gerade erst für rund 1,5 Millionen Euro aufwendig saniert worden und Ende Mai nach Hamburg zurückgekehrt.

Besucher erschüttert

Am Sonntag und Montag besuchten viele Menschen aus der Umgebung das havarierte Schiff, wie NDR 90,3 Stadtreporter Karsten Sekund berichtete. Viele seien erschüttert bei dem Anblick des Lotsenschoners. Mitglieder des Freundeskreises zum Erhalt des Lotsenschoners sehen Chancen auf den Erhalt des Schiffes.

Schiff mit bewegter Geschichte

Der Lotsenschoner "No. 5 Elbe" hat eine äußerst bewegte und bewegende Geschichte. Gebaut 1883 bei der Stülcken-Werft in Hamburg, diente das Schiff mehrere Jahrzehnte dazu, Lotsen in der Nordsee an Bord der einlaufenden Schiffe zu bringen - und wieder zurück. Nach der Außerdienststellung wurde die "No. 5 Elbe" in den 1920er-Jahren in die USA verkauft, diente dem Autor und Abenteurer Warwick Tompkins und seiner Familie als schwimmendes Zuhause. Seit 2002 war der Lotsenschoner wieder in Deutschland und nahm bei Tagestörns auch Gäste mit an Bord.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.06.2019 | 10:00 Uhr

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