Stand: 15.06.2020 19:57 Uhr  - NDR 90,3

"Harry Potter" im Theater: Premiere noch nicht sicher

von Patricia Seeger

Die Hamburger "Harry Potter"-Premiere im Mehr! Theater wird erst stattfinden, wenn die Corona-bedingten Social-Distancing-Maßnahmen aufgehoben sind. Man werde im August entscheiden, ob der Termin im Oktober gehalten werden kann, sagt der Produzent Maik Klokow im Interview mit dem NDR 90,3 Kulturjournal. Der ursprüngliche Termin für die deutsche Erstaufführung des Stücks "Harry Potter und das verwunschene Kind" im für 42 Millionen Euro umgebauten Theater am 14. März musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. Patricia Seeger hat mit dem Produzenten gesprochen.

Maik Klokow auf der Baustelle für das "Harry Potter"-Theaterstück am Hamburger Großmarkt © Mehr! Theater am Großmarkt / Jochen Quast Foto: Jochen Quast
Maik Klokow im November 2019 auf der Baustelle im Mehr! Theater. Zu diesem Zeitpunkt war nicht absehbar, dass Corona die Theaterlandschaft zum Erliegen bringt.

Herr Klokow, wann geht es los mit "Harry Potter"?

Maik Klokow: Im Moment sieht es noch so aus, als ob die Premiere wie geplant am 4. Oktober stattfinden kann. Aber wir kennen die weitere Entwicklung noch nicht: Wird das Social Distancing komplett eingestellt? Reicht es aus, wenn alle Masken tragen? Diese Fragen müssen beantwortet werden, damit wir eine Entscheidung treffen können. Am 10. August werden wir entscheiden, ob wir die Premiere am 4. Oktober durchführen können, oder ob wir noch einmal verschieben müssen.

Wie kann denn das Stück auf der Bühne aussehen? Müssen Schauspieler und Schauspielerinnen Masken tragen und Nähe vermieden werden?

Klokow: Genau das geht eben nicht. Wir können ein Stück wie "Harry Potter und das verwunschene Kind" nicht einfach uminszenieren, denn dann entspricht es nicht mehr dem Original, und wir hätten gar nicht die Rechte, das anders zu inszenieren. Das ist alles undenkbar. Wir brauchen sowohl die volle Kapazität des Zuschauerraumes als auch die künstlerische Freiheit, das Stück so umzusetzen, wie es auch vor der Corona-Pandemie zu sehen war. Wir müssen so lange abwarten, bis wir diesen Zustand erreichen.

Welche Lösungen schweben Ihnen denn für die Probleme vor?

Klokow: Für die Zuschauer gibt es ja Masken, dann das Fiebermessen, die neue Corona-App, die Datenerfassung der Zuschauer und in unserem Fall großflächige Bereiche, in denen man die Besucherströme auseinanderhalten kann. Dann gibt es aber noch den großen Bereich des Geschehens backstage und auf der Bühne. Viele unserer Darstellerinnen und Darsteller haben permanent Leute in unmittelbarer Nähe, etwa beim Sound, bei den Kostümen oder Maskenbildende. Wir können diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwar einseitig mit Schutzmasken ausstatten, aber Social Distancing, wie es der Gesetzgeber bislang vorsieht, ist für uns einfach unmöglich und nicht durchführbar. Dann würden wir lieber weiterhin mit der Premiere warten und den Termin notfalls verschieben.

Die Bundesliga lässt die Spieler regelmäßig auf Corona testen. Ist das auch eine Option für das "Harry Potter"-Ensemble?

Klokow: Momentan kostet ein Test ungefähr 120 Euro. Es ist nicht darstellbar, wenn wir unsere gesamte Backstage-Crew, das sind etwas 100 Leute, jeden Tag testen müssten, denn dann würden wir das Geld aus den Eintrittsgeldern nur dafür aufwenden. Das macht keinen Sinn. Es muss eine Regelung gefunden werden, wie günstiger getestet werden kann - vielleicht auch nicht täglich, sondern beispielsweise nur alle vier Tage. Wir sind mit den Behörden darüber in Gesprächen. Wir betreiben ja Theater in mehreren Bundesländern. Und das ist das eigentlich Verwunderliche: Was bei dem einen geht, geht bei dem anderen noch nicht. Das bringt auch so ein bisschen Chaos mit sich.

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Die unfertige Bühne für das Harry-Potter-Theaterstück am Mehr! Theater am Großmarkt (Aufnahme vom November 2019).  Foto: Georg Wendt

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Sie gehen schon davon aus, dass Sie das "Harry Potter"-Stück vor vollem Haus spielen?

Klokow: Ja. Wir haben eine Kapazität von 1.670 Plätzen. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, das keine Subventionen bekommt. Wir leiden extrem unter dieser Krise. Wir können es uns nicht leisten, vor weniger Leuten zu spielen. Da müsste es dann sonst eine Ausgleichszahlung von der Stadt geben. Wir hatten bis zur geplanten Premiere im März 300.000 Tickets verkauft. Davon haben wir 150.000 schon wieder zurückgeben müssen. Das sind Schäden, die uns belasten, sodass wir jetzt nicht auch noch vor kleinerem Publikum spielen könnten.

Was machen Sie, wenn die Stadt an den Abstandsregeln festhält? Sie können doch nicht ein Jahr warten?

Klokow: Im Extremfall müssten wir das. Das Verständnis bei den Politikern ist auch da, es fehlen aber konkrete Lösungen. Sollten die Social-Distancing-Regeln bestehen bleiben, dann können privatwirtschaftlich betriebene Bühnen nicht arbeiten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 15.06.2020 | 19:24 Uhr

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