Stand: 27.04.2020 11:41 Uhr

Harburg: Gesundheitsamtsleiter trotz Corona im Urlaub

Robert Wegner besetzt als Leiter den obersten Posten im Gesundheitsamt Hamburg-Harburg. Trotzdem ist er, mitten der Corona-Krise, im Urlaub - und zwar noch bis Ende Mai. Offiziell heißt es seitens der Harburger Bezirksamtsleitung, man müsse die Leitungskräfte schonen. Zudem sei die Abwesenheit von Wegner einvernehmlich. Davon sind allerdings nicht alle überzeugt.

Wegner genieße viel Anerkennung

Laut Harburgs CDU-Fraktionschef Ralf-Dieter Fischer genieße Wegner bei der Polizei, der Feuerwehr und auch in den Krankenhäusern "viel Anerkennung, aber nicht bei den Vorgesetzten". Auch Horst Niens von der Gewerkschaft der Polizei in Harburg zweifelt an einer einvernehmlichen Entscheidung zwischen Wegner und dem Bezirksamt: "Ihn im Endeffekt kaltzustellen, das war für mich erschreckend," erzählt der Gewerkschaftsvorsitzende.

Pressestelle: Man äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten

Wegner war bereits zu Beginn der Corona-Pandemie proaktiv vorgegangen. So hatte er im März eine große Hochzeit verboten, indem er persönlich bei der Feier erschien. Ob es aufgrund von Wegners Handlungsweise zu internen Unstimmigkeiten und zum zweimonatigen Urlaub kam? Von der Pressestelle des Harburger Bezirksamts heißt es, man äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten.

SPD-Fraktionschef stärkt Bezirksamtsleitung den Rücken

Zu NDR 90,3 sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Richter, Wegner habe schon vor Monaten einen Urlaub für April und Mai angekündigt. Darüber hinaus stärkt Richter der Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen den Rücken: "Die ist jetzt seit eineinhalb Jahren im Amt, macht eine hervorragende Arbeit und es gibt für mich keinen Grund, ihr zu misstrauen in diesem Fall", so Richter. Er geht aber davon aus, dass es Gespräche geben werde, sobald Wegner aus dem Urlaub zurückkehre.

Jemand wie Wegner in Krisenzeiten besonders wichtig

Wegner selbst äußert sich bislang nicht zu den Hintergründen seines Urlaubs - darf er auch nicht. Nach Ansicht seiner Befürworter, sei jemand wie Wegner in Krisenzeiten aber besonders wichtig. "Wir hatten mal einen Innensenator, der hieß Schmidt. Wenn der damals auf irgendwelche Regularien geachtet hätte, dann hätten wir garantiert 1962 sehr viel mehr Flutopfer gehabt", meint Niens von der Polizei. Das Bezirksamt Harburg teilte mit, dass die Abwesenheitsvertretung geregelt sei.

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Hamburg Journal | 26.04.2020 | 19:30 Uhr

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