Stand: 10.08.2020 19:15 Uhr

Harbour Front Literaturfestival: Eckhart lehnt erneute Einladung ab

von Danny Marques Marcalo
Lisa Eckhart © picture alliance/dpa Foto: Daniel Karmann
Lisa Eckhart wurde erst ausgeladen, dann wieder eingeladen. Sie kommt dennoch nicht zum Harbour Front Literaturfestival.

Die Ausladung der Kabarettistin Lisa Eckhart vom Debütantensalon des Harbour Front Literaturfestivals ist der literarische Skandal des Jahres. Eckhart wird unter anderem vorgeworfen, sich bei ihren Auftritten antisemitisch zu äußern. Auch von Gewaltandrohungen linksextremer Gruppen gegen sie war die Rede und dass man die Sicherheit der Veranstaltung nicht gewährleisten könne. Gegen ihre Ausladung regte sich aber Protest. In ganz Deutschland sehen Kommentatoren die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Das Festival hat Eckhart daraufhin noch mal eingeladen und am Montag hat sie reagiert: Sie lehnte das Angebot ab.

Festivalleitung bedauert Absage

Der Leiter des Festivals, Nikolaus Hansen, bedauerte diese Entscheidung. "Wir haben uns in den letzten Tagen sehr viele Gedanken gemacht, wie wir die Situation in ihrer Verfahrenheit retten und auflösen können. Zumal wir, und das will ich immer wieder betonen, Lisa Eckhart nicht ausgeladen haben, weil wir Bedenken hatten, sondern weil es um Sicherheitsfragen und den fairen Wettbewerb ging."

Lisa Eckhart mit ihrem Programm "Die Vorteile des Lasters" live in der Osnabrückhalle. © imago images/Future Image
AUDIO: Lisa Eckhart kommt nicht zum Harbour Front (3 Min)

Eckhart sollte Debüt-Roman vorstellen

Beim Debütantensalon stellen jedes Jahr Autorinnen und Autoren ihre ersten Romane vor. Eckhart sollte ihr Buch "Omama" präsentieren. Zwei andere Teilnehmer wollten nicht mit ihr zusammen auf die Bühne, weil ihr unter anderem Antisemitismus vorgeworfen wird. Alleine lesen ging auch nicht, weil der Veranstaltungsort, der Nochtspeicher auf St. Pauli, vor möglicher Gewalt linker Aktivisten gewarnt habe.

Der Nochtspeicher hat, obwohl es sich um Warnungen und nicht um konkrete Drohungen handelt, daran festgehalten, dass er Eckhart nicht auftreten lassen würde. "Für uns reichen Warnungen nicht aus, um die Autorin auszuladen, deswegen haben wir uns im Einvernehmen mit dem Nochtspeicher geeinigt, dass wir den Debütantensalon woanders hinverlegen", erklärte Hansen.

Empörung über Ausladung in ganz Deutschland

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In ganz Deutschland ist die Empörung groß. Die Präsidentin des Schriftstellerverbandes PEN, die Hamburgerin Regula Venske, schrieb in einem offenen Brief, dass man sich nicht in vorauseilendem Gehorsam beugen dürfte. Auch Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) sieht den Umgang des Festivals mit Eckhart kritisch und suchte das Gespräch mit den Machern. "Ich habe in diesem Gespräch deutlich gemacht, dass die Freiheit der Kunst in keiner Weise eingeschränkt werden darf. Die Veranstalter haben zugesagt einen Weg zu suchen, damit die Autorin doch am Wettbewerb teilnehmen kann", sagte Brosda.

Reh will auch nicht mehr

Doch Eckhart will jetzt nicht mehr. Ebenso wie Sascha Reh. Auch er hätte sein Romandebüt beim Festival vorstellen sollen. Er zeigt sich aber solidarisch mit der Kabarettistin und hat seine Teilnahme zurückgezogen. Er bezog bei Facebook dazu Stellung mit einem Posting, das an den Veranstalter gerichtet ist: "Da auch ich mit meinem neuen Text ebenfalls an der political correctness kratze, fühle ich mich von Ihrer Hasenfüßigkeit mitbetroffen. Ich bedauere, mich für eine Absage entscheiden zu müssen, denn ich hatte mich sehr auf die Lesung bei Ihnen gefreut. Schade, dass Sie nicht mehr Mut gehabt haben.

AfD mischt sich in Debatte ein

Festivalleiter Hansen geht aber davon aus, dass bei Reh das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Unterdessen postete der AfD-Landesverband Hessen ein bearbeitetes Bild von Eckhart mit den Worten: "Linke zerstören Deutschlands Freiheit. Der linke Mob entscheidet in Deutschland darüber, wer auftreten darf und wer nicht." Eckhart und ihr Verlag reagierten darauf deutlich in einer Stellungnahme: "Sowohl Lisa Eckhart als auch der Paul Zsolnay Verlag weisen diesen plumpen Versuch der Instrumentalisierung zurück und betonen, die Inhalte und Ziele dieser Partei entschieden abzulehnen. Rechtliche Schritte gegen die AfD Hessen wurden bereits eingeleitet."

Nun findet das Festival ohne Eckhart und womöglich auch ohne Reh statt. Das Festival hat sich vorerst blamiert. Die Autorin ist beschädigt, hat aber wenige Tage vor Erscheinen ihres Romans eine riesige Aufmerksamkeit erhalten. Am Dienstag will sie sich erstmals persönlich äußern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 10.08.2020 | 19:20 Uhr

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