Hamburgs Wirtschaft enttäuscht von Corona-Beschlüssen

Stand: 23.03.2021 12:48 Uhr

Die Reaktionen in der Hamburger Wirtschaft auf die Corona-Beschlüsse fallen eindeutig aus: Die Verbände sind enttäuscht.

Eine "Katastrophe" - und das nicht nur für Norddeutschland. So nannte der Hamburger Tourismusverband den verlängerten Lockdown. "Der wird viele Betriebe in den wirtschaftlichen Ruin treiben", fürchtet Verbandschef Wolfgang Raike. Der Verband hoffe nun, dass es keinen neuen Flickenteppich mit Blick auf mögliche Öffnungen und Reiseregeln gibt. Erneut werde die Touristik geopfert, hieß es beim Verband Internet Reisevertrieb. Dessen Chef Michael Buller fragte sich, was an einem Baumarkt ungefährlicher ist als an einem Hotelzimmer?

Der Handelsverband Deutschland kritisierte, dass Supermärkte von Gründonnerstag bis Ostermontag geschlossen werden - mit Ausnahme des Sonnabends vor Ostern. An diesem Tag würden die Kundinnen und Kunden dann die Geschäfte stürmen, warnen die Händlerinnen und Händler.

Industrieverband: "Perspektivlose Hinhaltepolitik"

"Die Stimmung dreht sich", warnte der Industrieverband Hamburg. "Viele Unternehmen können die Politik von Bundesregierung und Ministerpräsidenten nicht mehr nachvollziehen", sagte IVD-Chef Matthias Boxberger. "Diese perspektivlose Hinhaltepolitik macht viele Betriebe und Beschäftigte nur noch fassungslos".

In der Krise werde viel zu wenig mit der Wirtschaft zusammengearbeitet. "Mit unseren Fähigkeiten in der Produktion und Logistik wäre sicherlich manches schneller und besser gegangen", meinte der Industrieverbandschef. Die Industrie könnte unter anderem einen wichtigen Teil dazu beitragen, "dass wir schneller den notwendigen Impfschutz erreichen".

Auch Dehoga kritisiert neue Beschlüsse

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann auf der Landespressekonferenz am 23.03.2021. © NDR
Wirtschaftssenator Michael Westhagemann will die Corona-Hilfen ausweiten.

"Ein Schlag ins Gesicht der Hotellerie und Gastronomie" - so bezeichnete der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hamburg die neuen Corona-Beschlüsse. "Die von uns immer wieder geforderte Gleichbehandlung von privaten Zusammenkünften und Zusammenkünften in unseren Unternehmen wird nicht nur ignoriert, sondern auch noch um eine Ungleichbehandlung von Inlands- und Auslandsreisen im Bereich touristischer Reisen ergänzt", sagte der kommissarische Präsident, Niklaus Kaiser.

Die wenigen noch im Außer-Haus-Geschäft und in der Versorgung von Geschäftsreisenden tätigen Betriebe würden mit Auflagen zu Schnelltests auf eigene Kosten weiter finanziell belastet. "Hier wäre die zur Verfügungstellung von kostenlosen Tests für die gebeutelte Branche das Minimum", sagte Kaiser.

Corona-Hilfen sollen ausgeweitet werden

Unterdessen will Hamburg die Corona-Hilfen noch einmal deutlich ausweiten. Die Summen für Mittelständler im sogenannten Recovery Fonds werden mehr als verdoppelt, außerdem sind weitere Hilfsprogramme geplant, etwa für leer stehende Ladengeschäfte. Der Stadt gehe nicht die Puste aus, betonten Wirtschaftsenator Michael Westhagemann (parteilos) und Finanzsenator Andreas Dressel (SPD).

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.03.2021 | 12:00 Uhr

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