Stand: 16.01.2019 14:27 Uhr

Hamburgs Wirtschaft: Sorge vor hartem Brexit

Nach dem Scheitern des Brexit-Vertrags rechnet die Hamburger Wirtschaft jetzt mit einem ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. Besonders Industriebetriebe rechnen dadurch mit erheblichen Belastungen, denn Großbritannien ist Hamburgs fünftwichtigster Handelspartner. "Es ist fatal, dass das britische Unterhaus die ausgestreckte Hand Europas ausgeschlagen hat", sagt Matthias Boxberger, der Chef des Industrieverbands Hamburg, auf Nachfrage von NDR 90,3. Exporte nach Großbritannien würden sich durch Zölle und Abwicklungsformalitäten deutlich verteuern.

Handelskammer richtet Brexit-Hotline ein

Ein harter Brexit sei die schlechteste Lösung, heißt es beim Groß- und Außenhandelsverband AGA. Dessen Präsident Hans Fabian Kruse hofft aber weiter darauf, dass es eine Übergangsphase geben wird. Die Handelskammer Hamburg richtet in der kommenden Woche eine Telefon-Hotline ein, über die sich die mehr als 100.000 Unternehmen in der Hansestadt über die Konsequenzen aus dem Brexit beraten lassen können.

Der Flugzeugbauer Airbus, heißt es in Branchenkreisen, prüft nun verstärkt, ob Werke in Großbritannien geschlossen oder zumindest verkleinert werden müssen. Hintergrund: Airbus lässt bislang einen Großteil seiner Tragflächen auf den britischen Inseln bauen, künftig könnten dafür Zölle fällig werden.

Transport bereits um 20 Prozent eingebrochen

Im Hamburger Hafen haben sich die allermeisten Firmen bereits auf zusätzliche Arbeit durch den Brexit eingestellt, sagt Gunther Bonz, Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg. Nach seinen Angaben ist der Transport zwischen Hamburg und Großbritannien im vergangenen Jahr bereits um rund 20 Prozent eingebrochen - wegen der Unsicherheiten beim Brexit.

Für Hamburg ist Großbritannien der fünftwichtigste Handelspartner. 1.000 Unternehmen gaben laut Handelskammer an, Geschäftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich zu unterhalten. 200 Firmen sind dort permanent vertreten. 70 britische Firmen haben Niederlassungen in Hamburg.

Weitere Informationen

Graf Lambsdorff: "Harter Brexit immer wahrscheinlicher"

Der Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff (FDP) hat auf NDR Info gesagt, dass die Chancen für einen geordneten EU-Austritt Großbritanniens verschwindend gering seien. (16.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.01.2019 | 13:00 Uhr

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