Hamburgs "Schwanenvater" feiert Dienstjubiläum

Stand: 01.08.2021 06:36 Uhr

Dieses Amt ist einzigartig in Deutschland: Seit 1674 hat Hamburg einen "Schwanenvater". Seit 1996 nimmt Olaf Nieß diese Aufgabe wahr.

Das Schwanenhaus am Eppendorfer Mühlenteich kennt Olaf Nieß von Kindesbeinen an. Schon sein Vater Harald war als "Schwanenvater" seit 1950 für die tierischen Wahrzeichen der Stadt verantwortlich. Mit 19 Jahren begann auch Olaf Nieß seinen Dienst im Schwanenwesen. Ab 1986 arbeiteten Vater und Sohn zehn Jahre lang zusammen, bevor Olaf Nieß das Amt des "Schwanenvaters" übernahm.

An den Aufgaben gewachsen

Er trat in große Fußstapfen. Olaf Nieß sagt heute: "Das war schon eine spannende Herausforderung, sich als eigener Charakter herauszuarbeiten. Wenn man zu hören kriegte, 'Ihr Vater hat das aber soundso gemacht', dann musste man sich schon hinstellen und sagen, 'Ich mach das aber jetzt anders - und das ist meine Entscheidung, wie das jetzt gemacht wird'. Das ist etwas, da kann man auch dran wachsen."

Jeden Tag auf der Alster unterwegs

Die Schwäne im Blick ist der 54-Jährige jeden Tag auf der Alster unterwegs. Olaf Nieß: "Das ist immer noch ein Genuss." Vor allem, wenn die Alster noch nicht so voll sei. Wenn er allerdings Einsätze habe, zum Beispiel wenn es um Tierquälerei gehe, dann sei er so darauf fokussiert, dass er kein Auge für die Schönheit der Umgebung habe.

Kuriose Einsätze

Das Hüten und die Pflege der Schwäne ist aber nur eine von vielen Aufgaben des "Schwanenvaters". Die Notfallrettung von Tieren gehört ebenfalls dazu. Es gab auch zahlreiche kuriose Einsätze. So wurde Nieß 2012 in die Hamburger Innenstadt gerufen, um eine Horde Wildschweine einzufangen.

Winterquartier für Schwäne

Einer der Höhepunkte ist das Einsammeln der Schwäne im Herbst, wenn die Tiere ins Winterquartier am Eppendorfer Mühlenteich gebracht werden müssen. Aufsehen erregt ebenso die Rückkehr der Schwäne aus dem Winterquartier im Frühjahr - für viele Hamburgerinnen und Hamburger ein deutliches Anzeichen für den Frühlingsbeginn.

Schwanenhaus wird neu gebaut

Die Schwäne faszinieren Nieß: "Die Tiere sind genauso charakterlich unterschiedlich wie wir es sind. Ich schätze sehr an ihnen ihren Familiensinn und wie sie sich ihren Lebensraum aufbauen und gestalten." Mehr als zehn Jahre hat Nieß noch bis zur Rente. Sein nächstes großes Projekt ist der Neubau des Schwanenhauses.

Hamburger Schwanenwesen mit langer Tradition

Das Hamburger Schwanenwesen gibt es seit dem 11. Jahrhundert. Die Planstelle des "Schwanenvaters" existiert seit 1674 und ist damit die älteste Behördenplanstelle der Stadt. Nieß zufolge brachen die Hamburger Stadtväter damals mit dem Brauch, dass das Halten von Schwänen Fürsten und Königen vorbehalten war. Bis heute gilt die Legende, dass Hamburg den Status als Freie und Hansestadt nur so lange hält, wie es Schwäne auf der Alster gibt.

 

Weitere Informationen
Hamburger Schwäne kehren auf die Alster zurück. © NDR Foto: Anne Adams

Alsterschwäne sind zurück aus dem Winterquartier

Die Hamburger Alsterschwäne haben ihr Winterquartier am Eppendorfer Mühlenteich verlassen (04.05.2021). mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 31.07.2021 | 19:30 Uhr

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