Stand: 11.12.2019 16:21 Uhr

Laut im Chor lesen: Hamburg baut Schulkonzept aus

Der Lehrer liest vor, die Schüler murmeln mit im Text und der Lehrer oder die Lehrerin guckt, wo die Finger sind: So sieht grob das Konzept aus, mit dem an mehr als 50 Hamburger Grundschulen Lesen gelernt werden soll. Ein Pilotprojekt an sechs Schulen sei so erfolgreich gewesen, dass diese besondere Leseförderung nun um 50 weitere Schulen erweitert werde, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Mittwoch. Mittelfristig soll die neue Lernmethode, die auf regelmäßige Laut-Leseübungen zu festen Zeiten setzt, auf alle 200 Grundschulen der Stadt übertragen werden.

Schlechte Bilanz beim Schulwechsel

Hamburg Bildungssenator Ties Rabe bei einer Pressekonferenz zum Thema Leseförderung.  Foto: Andreas Gaertner
Schulsenator Ties Rabe (M.) will das Lese-Lernkonzept BISS an Hamburgs Grundschulen ausbauen.

Bis zu einem Viertel aller Grundschülerinnen und Grundschüler verstehe beim Wechsel auf die weiterführende Schule gelesene Texte nicht - und das mache ihm Sorgen, sagte Rabe. "Denn nur wer lesen kann, der kann auch später in der Gesellschaft und im Beruf bestehen." Zwar hätten die Hamburger Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Jahren in Bildungsvergleichen bei der Lesekompetenz aufgeholt und lägen nun im bundesweiten Mittelfeld, "obwohl rund ein Viertel aller Kinder zu Hause kein Deutsch spricht". Dennoch wolle man besser werden.

Jeden Tag 20 Minuten reserviert

Gerade in Schulen in sozial schwierigem Umfeld würden durch das regelmäßige Lesetraining große Erfolge erzielt, sagte Christian Gronwald, Schulleiter der Grundschule Kirchdorf, die an dem Pilotprojekt der Initiative "Bildung durch Sprache und Schrift" (BISS) teilgenommen hat. Dort sind jeden Tag 20 Minuten für eine feste Lesezeit reserviert, in der alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam im Chor lesen.

Der Nutzen ist inzwischen auch wissenschaftlich bestätigt. Wie beim Sport muss das Lesetraining aber regelmäßig stattfinden, am besten täglich - und nicht nur im Fach Deutsch. Zur Umsetzung des Konzepts erhalten die teilnehmenden Schulen eine personelle Verstärkung im Umfang einer Wochenlehrerstunde. Zudem wird die Anschaffung von Büchern mit 1.000 Euro pro Jahr finanziell gefördert.

Kritik von der Opposition

Bei den Oppositionsparteien in der Bürgerschaft stieß die Ankündigung Rabes auf Kritik. Die CDU-Bildungsexpertin Birgit Stöver nannte es "mehr als irritierend, dass bisher offenbar keine systematische Leseförderung an Hamburgs Grundschulen stattgefunden hat". Die Bildungsexpertin der Linken, Sabine Boeddinghaus, kritisierte, dass trotz großen Bedarfs nicht alle Schulen in den Genuss der Förderung kämen. Zudem würden in dem Programm "nur Fördermaßnahmen fortgeschrieben, die bisher Versuchscharakter hatten". Der Senat hätte viel früher ein breites Förderprogramm entwickeln müssen, sagte die bildungspolitische Sprecherin der FDP, Anna von Treuenfels.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.12.2019 | 16:00 Uhr

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