Stand: 23.04.2020 08:47 Uhr

Hamburgs Böden trocknen langsam aus

Landwirt hockt auf einem Acker mit kleinen Pflanzen und lässt trockene Erde durch seine Finger rieseln.
Landwirt Christian Meyer hofft auf Regen für seine ausgedörrten Böden.

Eigentlich ist der Winterroggen relativ robust. Doch wenn weiter kein Regen fällt, könnte das Getreide an seine Grenzen kommen. Christian Meyer baut in Harburg auf 27 Hektar Roggen, Mais und Gras für Heu an. Im Oktober hatte er den Winterroggen ausgedrillt, mittlerweile ist der Acker staubtrocken und der Landwirt wird langsam unruhig. "Die Pflanze braucht ja das Wasser für ihren eigenen Wasserhaushalt und den Nährstofftransport", sagt Meyer. "Wenn das Wasser nicht da ist, wird sie irgendwann in eine Art Notmodus gehen. Das heißt, sie wird das Wachstum einstellen, sie wird die Körnerproduktion runterfahren und dadurch weniger Ertrag bringen."

Zu wenig Regen im April

Nicht viel besser geht es den Hamburger Wäldern. Im Klövensteen etwa fällt im April üblicherweise 50 bis 60 Liter Regen pro Quadratmeter - bislang waren es gerade mal zwei Liter. Bei Revierförster Nils Fischer sorgt das für Anspannung, denn es herrscht Waldbrandgefahr, Stufe 3 von 5 - und das im Frühjahr. "Wenn man durchs Gras geht, hört man es ja richtig, es knackt und es bricht und es ist einfach super trocken", sagt Fischer. "Wenn da ein Funken reinspringt, haben wir hier unter Umständen sehr schnell ein Problem." Dazu komme der stete Wind, der ein Feuer anheizen könnte. "Dann ist es gefährlich und ein Feuer kann sich eben sehr schnell ausbreiten."

Keine Entlastung in Sicht

Auf den feuchten Winter und einen sehr nassen Februar könnte nun eine neue Dürre folgen. "Für den Rest des Monats sehe ich keine Entlastung", sagt Rüdiger Hartig vom Deutschen Wetterdienst. "Wir erwarten zwar nächste Woche ein paar Tropfen, aber die Verdunstungsrate ist höher als der Niederschlag." Eine echte Entlastung werde es regentechnisch erstmal nicht geben.

Sonne scheint durch Baumwipfel.
Der Deutsche Wetterdienst erwartet erst mal keinen Regen.
Landwirt hofft auf Landregen

Landwirt Meyer will auf diesem Acker in den nächsten Tagen Mais aussähen. Doch der lehmige Boden bildet trocken-harte Klumpen, ohne Wasser wird hier kein Maiskorn keimen können. "Wir brauchen akut erst mal so einen schönen Landregen mit mindestens 15 bis 20 Litern, der in zwei Tagen hier abregnen kann, in den Boden einziehen kann und die Wurzeln versorgt", sagt Meyer. Auf Dauer brauche es dann die Durchschnittswerte. "Das würde uns extrem weiterhelfen." Im August will Meyer den Winterroggen ernten. Dann erst werde sich zeigen, ob und wie groß der Schaden ist, den die Trockenheit jetzt anrichtet.

Weitere Informationen
Ein Warnschild an einem Baum weist auf die Waldbrandgefahr hin © Christine Raczka Foto: Christine Raczka

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Der fehlende Regen sorgt für eine steigende Waldbrandgefahr in Schleswig-Holstein. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes gilt in einigen Gebieten bereits die zweithöchste Waldbrandwarnstufe. (22.04.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 22.04.2020 | 19:30 Uhr

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