Stand: 27.05.2019 19:04 Uhr

Hamburgs Bezirkswahl: SPD rutscht ab

Nach ihrem Erfolg bei der Europawahl in Hamburg sind die Grünen auch bei den Bezirkswahlen der große Gewinner. In vier der sieben Hamburger Bezirke sind sie jetzt stärkste Kraft, die SPD lag nur noch in dreien vorn.

Grüne in drei Bezirken über 30 Prozent

In drei Bezirken kommen die Grünen klar über 30 Prozent und ziehen damit an der SPD vorbei. In Eimsbüttel holten die Grünen sogar 37,2 Prozent. Auch in Altona und in Hamburg-Nord ist ihnen der Platz 1 nicht mehr zu nehmen. Knapper ist der Vorsprung der Grünen vor der SPD in Mitte.

SPD in Wandsbek, Harburg und Bergedorf vorn

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich beide Parteien in Wandsbek, hier lag die SPD am Ende mit 0,4 Prozentpunkten vor den Grünen. Auch in Harburg war der Vorsprung der SPD vor den Grünen am Ende nur noch dünn, beide lagen aber deutlich vor der CDU. Anders sind die Verhältnisse in Bergedorf, wo die SPD knapp stärkste Kraft bleibt, dicht gefolgt von der CDU. Die vorläufigen amtlichen Endergebnisse werden am Abend erwartet.

Acht Stunden nach Beginn der Auszählung kamen die Grünen um 16 Uhr hamburgweit auf 31,2 Prozent, wie Landeswahlleiter Oliver Rudolf mitteilte. Das wäre ein Plus von 13 Punkten gegenüber den vorangegangenen Bezirkswahlen, bei denen die Partei 18,2 Prozent der Stimmen erhalten hatten.

SPD verliert mehr als zehn Prozent

Für die SPD ging es auch in den Bezirken weiter bergab. Sie lag am Nachmittag bei 24,2 Prozent - ein Minus von 11 Punkten. Schon bei den vorherigen Bezirksversammlungswahlen hatten die Sozialdemokraten knapp 10 Prozentpunkte eingebüßt, waren aber mit durchschnittlich gut 35 Prozent in allen sieben Bezirksversammlungen stärkste Kraft geblieben.

CDU bei 18 Prozent

Auch die CDU verlor laut Zwischenergebnis deutlich: Mit Minus 6,8 Prozentpunkten kam sie in ganz Hamburg nur noch auf 18,0 Prozent. Die Linke legte dagegen um 0,6 Punkte auf 10,8 Prozent zu. Die AfD konnte einen Anstieg um 2 Punkte auf 6,5 Prozent verbuchen. Die FDP kam auf ebenfalls 6,5 Prozent (plus 2,6 Punkte), die Piraten auf 1,3 (minus 1,4).

02:05
Hamburg Journal

Tschentscher: "Grüne haben jetzt die Verantwortung"

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte zu den Ergebnissen: "Die Grünen haben mit dem Wahlerfolg jetzt auch eine Verantwortung. Es kommt jetzt darauf an, dass weiter Landes- und Bezirkspolitik Hand in Hand arbeiten bei den entscheidenden Themen - dafür sind wir gemeinsam verantwortlich."

Insgesamt haben sich in diesem Jahr 1.540 Kandidaten um knapp 360 Sitze in den sieben Bezirksversammlungen zur Wahl gestellt. Darunter vier Einzelkandidaten, die übrigen Kandidaten verteilen sich auf 13 Parteien und eine Wählervereinigung. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,5 Prozent.

So sah es vor der Bezirkswahl politisch in den Bezirken aus

  • Wandsbek: SPD koalierte 2014 mit Grünen 

    Im Bezirk Wandsbek, wo SPD-Mann Thomas Ritzenhoff das Bezirksamt leitet, wurden die SPD bei der Wahl 2014 mit 37,9 Prozent und 23 Sitzen stärkste Kraft, verlor jedoch vier Mandate. Die CDU verbesserte sich auf 29,3 Prozent und 17 Sitze. Die Grünen bekamen acht Sitze (13,2 Prozent), die Linke vier (7,2 Prozent) und die FDP kam lediglich auf zwei Sitze bei 3,9 Prozent. Die AfD gelangte mit 5,5 Prozent der Stimmen erstmals in die Bezirksversammlung Wandsbek. Am 26. Mai 2015 hat sich die AfD-Fraktion in Wandsbek aufgelöst. Die Wahlbeteiligung lag 2014 bei 41,3 Prozent.

  • Eimsbüttel: Rot-Grün seit Jahren stabil

    Im Bezirk Eimsbüttel bilden SPD und Grüne seit mehr als 15 Jahren eine stabile Koalition, die nicht durch große Streitereien aufgefallen ist. Bei der Wahl 2014 bekam die SPD 18 Sitze (33,3 Prozent), die Grünen 12 Sitze (23,1 Prozent), die CDU ebenfalls 12 Sitze (22,7 Prozent), die Linke 5 Sitze (9,8 Prozent) und die FDP 2 Sitze (4,5 Prozent). Die drei AfD-Abgeordneten bekamen 3,9 Prozent und damit 2 Sitze, bilden aber keine Fraktion mehr, sie sind ausgetreten und als Einzelabgeordnete vertreten. Allgemein ist der Umgang miteinander in der Bezirksversammlung verbindlicher als in manch anderem Bezirk. Kay Gätgens ist der Leiter des Bezirksamtes Eimsbüttel. Die Wahlbeteiligung lag 2014 bei 45,5 Prozent.

  • Harburg: SPD lag 2014 deutlich vorne

    Im Bezirk Harburg bekam die SPD 2014 mit 38,6 Prozent der Stimmen 19 Sitze, die CDU mit 26,6 Prozent 14. Grüne (13,5 Prozent) und Linke (8,9 Prozent) erhielten jeweils fünf Sitze und die FDP (4,4 Prozent) und die AfD (6 Prozent) jeweils drei. Nach einer fast siebenmonatigen Trauerzeit schlug die SPD die parteilose Verwaltungsexpertin Sophie Fredenhagen als neue Bezirksamtsleiterin vor. Als die CDU den Vorschlag ablehnte, verkündete Richter im August 2018 das Ende der Großen Koalition in Harburg. Fredenhagen wurde dennoch am 10. September 2018 zur Bezirksamtsleiterin ernannt. Die Wahlbeteiligung lag 2014 bei 36,4 Prozent.

  • Altona: Mehrheiten wechselten zuletzt

    In der Altonaer Bezirksversammlung gab es in den vergangenen fünf Jahren wechselnde Mehrheiten. SPD und Grüne schlossen im Bezirk Altona - anders als in vielen Bezirken - kein festes Bündnis. Bei der Wahl 2014 bekam die SPD 16 Sitze (30,0 Prozent), die CDU 12 Sitze (23,3 Prozent), die Grünen ebenfalls 12 Sitze (22,1 Prozent), die Linke 7 Sitze (14,0 Prozent), die FDP 2 Sitze (4,4 Prozent) und die AfD übersprang mit 3,3 knapp die Drei-Prozent-Hürde und ist mit 2 Sitzen in der Bezirksversammlung vertreten. Die Wahlbeteiligung lag 2014 bei 45,8 Prozent.

  • Mitte: Rot-Grün regiert seit 2014

    Im Bezirk Mitte regiert eine Koalition aus SPD und Grünen. Zusammen haben sie 29 der 51 Sitze in der Bezirksversammlung inne. Bei der Wahl 2014 bekam die SPD 19 Sitze (37,0 Prozent), die CDU 10 Sitze (18,5 Prozent), die Grünen ebenfalls 10 Sitze (18,1 Prozent), die Linke 7 Sitze (14,1 Prozent), die AfD 3 Sitze (5,1 Prozent) und die Piraten 2 Sitze (4,4 Prozent). Die FDP schaffte mit 2,3 Prozent der Stimmen den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde im Bezirk nicht. Seit März 2016 ist Falko Droßmann von der SPD der Bezirksamtsleiter und damit der inoffizielle Bezirksbürgermeister. Die Wahlbeteiligung lag 2014 bei 31,1 Prozent.

  • Bergedorf: Noch hat die SPD das Sagen

    Im Bezirk Bergedorf hat die SPD mit 19 Sitzen (39,3 Prozent) das Sagen. Mit deutlichem Abstand folgt die CDU mit 14 Sitzen (28,5 Prozent). Vertreten sind auch noch Grüne mit 6 Sitzen (12,3 Prozent), Linke mit 4 Sitzen (9,2 Prozent) und die AfD mit 2 Sitzen (4,5 Prozent). Die FDP scheiterte mit 2,2 Prozent an der Drei-Prozent-Hürde. Leiter des Bezirksamtes ist seit 2011 SPD-Mann Arne Dornquast. Die Wahlbeteiligung lag 2014 bei 37,8 Prozent.

  • Nord: Eine echte Prüfung für die SPD

    Im Bezirk Nord musste die SPD bereits bei der Wahl 2014 Verluste hinnehmen, blieb aber stärkste Fraktion mit 33,9 Prozent und 17 Sitzen. Die CDU konnte ihre zwölf Sitze mit 23,7 Prozent verteidigen. Die Grünen stellten mit 21,1 Prozent elf Sitze, die Linke mit 9,5 Prozent fünf, jeweils zwei Sitze haben die FDP (4,3 Prozent), die Piraten (3,5 Prozent) und die AfD (3,7 Prozent). Praktisch bilden SPD und Grüne eine Koalition, wobei es in Sachfragen häufig auch zu anderen Konstellationen kommt. Die Wahlbeteiligung lag 2014 bei 44,4 Prozent.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.05.2019 | 18:00 Uhr

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