Stand: 20.01.2020 21:41 Uhr

Hamburger Unternehmen wählen Kammerversammlung

Etwa 170.000 Unternehmen in Hamburg sind seit Montag dazu aufgerufen, ihre Stimme zur Wahl des Handelskammer-Plenums abzugeben. Was in anderen Industrie- und Handelskammern eher ein interner Vorgang von nur wenig öffentlichem Interesse ist, ist in Hamburg spannend. Denn in der Hamburg - mit einer der ältesten und größten Kammern Deutschlands - haben die sogenannten Kammerrebellen vor drei Jahren einen spektakulären Sieg gelandet und 55 von 58 Sitzen in der Kammerversammlung erobert. Gelungen war dies mit Kritik an teils verkrusteten Strukturen der Kammer, vor allem aber mit dem Versprechen, die Kammerbeiträge für die Unternehmen abzuschaffen.

Kammerrebellen konnten Wahlversprechen nicht halten

Daraus ist aber nichts geworden und das Wahlversprechen erwies sich als nicht umsetzbar. "Aber wir haben die Beiträge für die kleineren Unternehmen gesenkt und 20 Millionen Euro aus Rücklagen der Kammer zurückgegeben", sagt André Mücke, einer der einstigen Rebellen und in den vergangenen Monaten als amtierender Präses das Gesicht der Handelskammer nach außen. Doch insgesamt fällt die Bilanz der auslaufenden Amtszeit der Plenumsversammlung ernüchternd aus. Tobias Bergmann, der von den Kammerrebellen ins Amt gewählte Präses der Handelskammer, hielt seine Amtszeit nicht durch und zog sich vor gut einem Jahr wegen fehlenden Rückhalts zurück. Die Wahl eines Nachfolgers scheiterte, so dass seitdem Mücke als Vertreter des Präses die Kammer führt.

Plenumswahl erfolgt per Briefwahl oder online

Nun bewerben sich von Montag an 139 Unternehmerinnen und Unternehmer um die 58 Sitze in der Plenarversammlung. Sie sind eingeteilt in neun Branchen, die jeweils in drei Größenklassen unterteilt sind. Neun der Kandidaten haben ihren Sitz bereits sicher, weil sie die einzigen Kandidaten in ihrer Branche und Größenklasse sind. Abgestimmt wird per Briefwahl oder online. Dabei werden die Mitglieder statt wie bislang für drei nun für vier Jahre bestimmt. Aus den Reihen des Plenums werden anschließend der Präses und die Vizepräsides gewählt.

Einstige Rebellen wollen Handelskammer reformieren

Die inzwischen zerstrittenen, einstigen Rebellen treten unter dem Kürzel "DKsW - die Reformer" an, haben sich allerdings aufgespalten. Die 29 Kandidaten wollen die Beträge weiter senken, sich für Umwelt- und Klimaschutz stark machen und vor allem kleine und mittlere Unternehmen fördern. Ihr bekanntestes Gesicht ist Vizepräses Kai Elmendorf.

Traditionelle Unternehmen kritisieren Verwerfungen

Norbert Aust, aufgenommen bei der Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt
Norbert Aust steht an der Spitze der Initiative "Starke Wirtschaft Hamburg".

Unter der Marke "Starke Wirtschaft Hamburg" haben sich 52 eher traditionelle Unternehmer zusammengefunden. Sie werben damit, zu "100 Prozent rebellenfrei" zu sein und kritisieren viele der Umbrüche und Verwerfungen der vergangenen drei Jahre. An der Spitze dieser Bewegung steht der Tourismus- und Kulturmanager Norbert Aust, langjähriger Geschäftsführer von Schmidts Tivoli und Vorsitzender des Hamburger Tourismusverbandes. Zahlreiche Unternehmensvertreterinnen und -vertreter stellen sich zudem als Einzelkandidaten zur Wahl, darunter Budni-Chef Cord Wöhlke oder Airbus-Manager Georg Mecke.

"Zukunftskammer" will an Demokratisierung festhalten

Als "Zukunftskammer - für die Hamburger Wirtschaft von morgen" tritt schließlich die dritte Initiative an. "Wir vertreten das Beste aus beiden Welten", sagt Walter Pelka, einer der 43 Kandidaten. Die Zukunftskammer wolle an der gewonnenen Offenheit und Demokratisierung der Kammer festhalten und sich auf die Zukunftsfelder Fachkräftesicherung, Klimapolitik, Digitalisierung und Innovation konzentrieren. In ihren Reihen kandidiert auch Vizepräses Mücke.

Die Ergebnisse der Wahl sollen am 20. Februar vorliegen, drei Tage vor der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.01.2020 | 08:00 Uhr

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