Stand: 04.02.2018 21:06 Uhr

Hamburger Unternehmen als Waffenproduzenten

Die türkische Militäroffensive in Nordsyrien mit Leopard-2-Panzern aus Deutschland sorgt weiter für Debatten über Rüstungsexporte. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die deutschen Rüstungsexporte in der vergangenen Legislaturperiode gestiegen sind. Davon dürfte auch Hamburg als ein wichtiger Rüstungsstandort profitieren, denn hier werden wesentliche Teile des Leopard 2 gefertigt.

Mehr als 90 Rüstungsunternehmen in Hamburg

Im Großraum Hamburg gibt es mehr als 90 Unternehmen, die direkt oder als Zulieferer oder Dienstleister für die Rüstungsindustrie arbeiten. Diese Firmen stellen beispielsweise Panzerwannen für den Leopard her oder die ausgeklügelte Ausgleichsmechanik für die Kanone, mit deren Hilfe der Leopard auch bei Vollgas seine tödlichen Geschosse präzise ins Ziel lenkt. Außerdem Torpedos, Navigationssysteme für den Eurofighter oder auch Waffenlenksysteme für Kriegsschiffe.

Wer Waffen verkaufe, müsse auch damit rechnen, dass sie irgendwann eingesetzt werden - auch in Syrien, sagte Götz Neuneck vom Hamburger Institut für Friedensforschung dem NDR Hamburg Journal. "Dass die Türkei die Panzer jetzt stolz für die Invasion in ein anderes Territorium verwendet, zeugt natürlich von wenig Feingefühl und es beinhaltet eine gewissen provokative Komponente, denn es war ja klar, dass das in Deutschland sofort auffallen wird."

Tochter einer Panzer-Schmiede im Hafen

Zu den Firmen in Hamburg, die in der Rüstungsindustrie arbeiten, gehören Blohm + Voss und Airbus, die Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge bauen. Auf dem Gelände von Blohm + Voss sitzt außerdem die Firma KMW Schweißtechnik, eine Tochter der Panzer-Schmiede Krauss-Maffei in München. Nur einmal, 1982 mit dem damaligen Verteidigungsminister und Reserveoffizier der Luftwaffe Manfred Wörner (CDU), durften Kameras auf das Gelände. Seit Jahrzehnten werden hier Panzerwannen und Gefechtstürme für Generationen von Leopard-Panzern produziert.

Der Leopard ist einer der leistungsfähigsten Panzer weltweit, äußerst präzise, da seine Kanone auch bei voller Fahrt ihr Ziel findet. In Wedel entstehen bei einer Tocher von Jenoptik nicht nur Aufzüge für den A380: Abseits der Öffentlichkeit entwickelt das Unternehmen jene Technik, die die Panzer-Kanone im Gelände ruhig hält.

Linke: Exporte wirtschaftlich nicht nötig

Dass Waffenexporte für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort nötig seien, weist der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linken und Rüstungsexperte Jan van Aken zurück. "Wir sehen das in Japan. Japan hatte über 40 Jahre lang ein komplettes Waffenexport-Verbot, sie haben keine Soldaten ins Ausland geschickt und in diesen 40 Jahren war Japan so erfolgreich wie kaum ein anderes Land. Insofern ist dieser Zusammenhang objektiv nicht da" - auch wenn das gerne behauptet werde.

Lieferung in unruhige Regionen

Im Hamburger Hafen hat Rüstungsproduktion Tradition: Waren es mal U-Boote und Schlachtschiffe für Hitlers Marine, sind es heute Fregatten für die Streitkräfte der ganzen Welt. Exportierte Waffen werden eingesetzt, wie jetzt in Syrien. Wer das nicht wolle, müsse etwas ändern, sagt Neuneck vom Institut für Friedensforschung.

"Natürlich muss man eine Neubestimmung der Rüstungsexport-Politik in dieser Region machen", sagt Neuneck. "Das hängt in weiterem Sinne mit dem Syrien-Krieg und dem Kampf gegen den IS zusammen. Aber es gibt ja noch andere unruhige Regionen dort und in die sollte man einfach schlichtweg nicht mehr liefern." Das, so Neuneck, könne man eigentlich jetzt, im Zuge der Verhandlungen zu Koalitionsvereinbarungen, auch so klar feststellen. "Dazu haben Union und SPD bisher bloß vereinbart, dass Rüstungsexporte auch mit strengeren Richtlinien weiter eingeschränkt werden sollen."

Nachrüstung auf Eis gelegt

Zumindest einen Auftrag wird die Firma KMW im Hamburger Hafen wohl nicht bekommen: Die von der Türkei gewünschte Nachrüstung der Leopard-2-Panzer wurde von der Bundesregierung auf Eis gelegt.

Kommentar
NDR Info

Regeln für Waffenexporte neu formulieren!

28.01.2018 09:25 Uhr
NDR Info

An welche Länder und in welche Krisengebiete sind Waffenlieferungen zulässig? Deutschland steht vor wichtigen Entscheidungen. Elisabeth Niejahr von der "Wirtschaftswoche" kommentiert. mehr

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Exportschlager ohne Einsatzbeschränkung

354 Leopard-2-Kampfpanzer hat Deutschland an die Türkei verkauft. Eine Einsatzbeschränkung wurde nicht vereinbart. Das wäre aber möglich gewesen. Mehr dazu bei tagesschau.de. (23.01.2018) extern

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.02.2018 | 19:30 Uhr

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