Stand: 25.08.2020 11:03 Uhr

Tierversuchslabor LPT darf unter Auflagen weitermachen

Das im Februar nach scharfer Kritik geschlossene Tierversuchslabor Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) in Hamburg-Neugraben darf unter Auflagen Ende August wieder öffnen. Das Labor muss künftig genau nachweisen, wie es den Versuchstieren geht. Außerdem sollen die Kontrollen verschärft werden, wie die Justiz- und Verbraucherschutzbehörde mitteilte. Die Auflagen betreffen auch personelle Veränderungen und die Sachkunde des Personals.

VIDEO: Tierversuchslabor LPT darf wieder öffnen (3 Min)

Tierschützer wollen schwarze Liste erstellen

Die "Soko Tierschutz", die nach eigenen Angaben die Missstände bei LPT im Oktober 2019 mit aufgedeckt hatte, sprach von einem Skandal. Der Verein will jetzt vor allem darauf aufmerksam machen, wer weiter mit LPT zusammenarbeitet. Dafür wollen die Tierschützer bundesweit Fragebögen an Unternehmen und Universitäten schicken und anhand der Antworten eine schwarze Liste erstellen, sagte Sprecher Friedrich Mülln NDR 90,3. Auch Firmen in Hamburg haben demnach in der Vergangenheit Studien bei LPT in Auftrag gegeben.

Labor war im Februar geschlossen worden

Dem Labor am Hauptsitz der Firma in Hamburg-Neugraben hatten die Behörden im Februar mit sofortiger Wirkung die Erlaubnis entzogen, Tiere zu halten. Zuvor war bereits der LPT-Standort Mienenbüttel im Landkreis Harburg dicht gemacht worden. Dort hatte der Landkreis Mitte Januar die Erlaubnis zur Tierhaltung widerrufen. Tierschützer hatten im Oktober des vergangenen Jahres aufgedeckt, dass in dem Labor im Neu Wulmstorfer Ortsteil Mienenbüttel Hunde und Affen bei Versuchen misshandelt wurden. Tausende Menschen waren daraufhin zu Demonstrationen gegen Tierversuche auf die Straße gegangen.

Behörde: Veränderungen bei LPT

Nach Angaben der Hamburger Justizbehörde wurden bei LPT inzwischen ein neuer Geschäftsführer, ein neuer Tierschutzbeauftragter und neue Tierversuchsleiter bestellt. Deshalb habe das Oberverwaltungsgericht Hamburg Mitte Juli die aufschiebende Wirkung der Widersprüche des Unternehmens gegen die behördlichen Entscheidungen wiederhergestellt und den Betrieb am Standort Hamburg so grundsätzlich wieder erlaubt. Gleichwohl habe LPT den Betrieb zunächst nicht wieder aufgenommen und dürfe dies nun unter Auflagen.

Tierschützer: Angekündigte Verbesserungen reine Kosmetik

"Dass sich Hamburg von billigen Personalrochaden des LPT offenbar beschwichtigen lässt und nicht einmal die Strafverfahren, insbesondere wegen über ein Jahrzehnt lang, mutmaßlich gefälschten Tierversuchsstudien abwartet, ist ein Skandal", erklärte Tierschützer Mülln. "Das zeigt, dass im rot-grünen Hamburg der Profit mit überholten Tierversuchen vor dem Schutz der Menschen und Tiere steht." Die angekündigten Verbesserungen im Labor seien reine Kosmetik, um die Öffentlichkeit abzulenken.

Gallina will sich für mehr Tierschutz einsetzen

Hamburgs Justiz- und Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina (Grüne) kündigte eine Bundesratsinitiative an, bei der sich die Hansestadt auf Bundesebene für mehr Tierschutz einsetzen wolle. "Verbesserungen beim Versuchstierschutz sind dringend notwendig und längst überfällig", erklärte die Senatorin. Tierversuche sollten generell möglichst vermieden werden. Es sollten deutlich mehr und unangekündigte Kontrollen stattfinden und die Unternehmen verpflichtet werden, Alternativen zu Tierversuchen voranzubringen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.08.2020 | 07:00 Uhr

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