Stand: 23.02.2018 17:39 Uhr

Hamburger Tafel will keine Zuwanderer abweisen

Die Hamburger Tafel lehnt das Beispiel der Kollegen aus Essen ab, nur noch Deutsche neu für die Essensausgabe zu registrieren. Das einzige Kriterium dafür, wer Lebensmittel bekomme, sei die Bedürftigkeit, unabhängig von Religion, Herkunft und Hautfarbe, sagte der Geschäftsführer der Hamburger Tafel, Christian Tack, am Freitag. "Wir machen keine Auslese, bei uns zählt allein die Bedürftigkeit der Menschen", erklärte er.

Die Essener Tafel hatte zuvor mitgeteilt, nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kartei aufzunehmen und dafür Kritik geerntet. Der Anteil der Migranten sei auf drei Viertel gestiegen, sagte der Essener Vereinsvorsitzende Jörg Sartor zur Begründung. Gerade ältere Tafel-Nutzerinnen hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt.

Aufnahmestopp in Lokstedt und Eimsbüttel

"Wenn es einen Aufnahmestopp gibt, dann gilt dieser für alle", sagte Tack - so wie derzeit in Lokstedt und Eimsbüttel. Dort könnte die Tafel eine weitere Ausgabestelle einrichten, es fehle aber an geeigneten Räumen, bedauerte er.

Kommentar

Wo bleiben konstruktive Vorschläge?

Nach der Entscheidung, nur noch deutsche Bedürftige als Neukunden aufzunehmen, gerät die Essener Tafel unter Druck. Ralf Becker kritisiert im Kommentar diese unreflektierte Kritik. mehr

Die Hamburger Tafel versorgt nach eigenen Angaben nördlich der Elbe 26 Ausgabestellen mit Lebensmitteln. Damit werden rund 20. 000 Menschen wöchentlich unterstützt. 30 Ausgabestellen wären nötig, um die Bedürftigen in Hamburg flächendeckend zu versorgen, so Tack.

Bedürftige müssen sich registrieren lassen

Die Lebensmittel erhält nur, wer sich vorher registrieren lässt. Die Kunden müssen ihre Bedürftigkeit mit Einkommensbescheinigungen unter 900 Euro und dem zu jeder Ausgabestelle passenden Wohnort nachweisen. So soll vermieden werden, dass manche von Ausgabestelle zu Ausgabestelle ziehen. Vor jeder Lebensmittelausgabe werden Lose gezogen, die über die Reihenfolge entscheiden. Tack:"Wir sind gegen das Windhundprinzip, bei dem der Erste in der Schlange zuerst bedient wird."

Seit einem Hilferuf im Oktober ist das Lager der Hamburger Tafel wieder gut gefüllt, aber Frischwaren fehlen, zum Beispiel Obst und Gemüse, Milchprodukte und Wurst.

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Essener Tafel in der Kritik

Nach ihrer Entscheidung, nur noch Bedürftige mit deutschem Pass als Neukunden aufzunehmen, steht die Essener Tafel unter Beschuss. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.02.2018 | 12:00 Uhr

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