Stand: 28.06.2020 19:04 Uhr

Schanzenviertel: Bewohner gegen Massencornern

Lärm, Gedränge, Müll und vom Einhalten der Abstandsregeln keine Spur: Den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hamburger Schanzenviertels reicht es. Mit einem offenen Brief hat sich der Stadtteilbeirat Sternschanze jetzt an Bürgermeister Peter Tschentscher, Innensenator Andy Grote (beide SPD) und die zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) gewandt. Die Corona-Krise habe ein schon lange vorhandenes Problem überdeutlich zu Tage treten lassen, heißt es in dem Brief. Die abendlichen Menschenansammlungen, das sogenannte Cornern, belasteten die Anwohnerinnen und Anwohner zunehmend und Hilfe von Politik und Polizei gebe es nicht.

Schanzenviertel-Bewohner wehren sich gegen Cornern

Rund 2.000 Menschen hätten am vergangenen Wochenende allein am Schulterblatt gefeiert - meist mit günstigem Alkohol aus Kiosken. Darunter litten auch die Gastronomen, die sich an die Corona-Auflagen hielten, heißt es in dem Brief. Die feiernden Menschen hatten die Corona-Abstandsregeln häufig missachtet und die Polizei hatte mehrere Lokale und Kioske schließen lassen. Die Wohlwillstraße auf St. Pauli wurde beispielsweise weitgehend geräumt.

Auch an den vergangenen Abenden mussten Beamtinnen und Beamte die Feiernden immer wieder ermahnen und große Menschengruppen auflösen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Schanzenviertels fühlen sich mit dem Problem alleingelassen. "Jetzt, zu Corona-Zeiten, hat die Polizei immerhin Handlungsmöglichkeiten, um einzugreifen. Zu normalen Zeiten sind die Zustände nicht anders, doch dann werden wir schlicht und ergreifend komplett alleine gelassen", heißt es in dem offenen Brief.

"Wir sind kein Vergnügungspark"

Sie fordern jetzt unter anderem ein Außer-Haus-Alkoholverkaufsverbot am Wochenende ab 20 Uhr, die Durchsetzung der zeitlichen Auflagen für die Außengastronomie und die Beseitigung der zahlreichen E-Scooter und E-Roller von den Gehwegen. "Wir sind kein Vergnügungspark, der nach dem letzten Besucher abgeschlossen wird", heißt es in dem Brief. "Die Sternschanze ist ein Wohnviertel, in dem echte Menschen fast jeden Tag unter den von Ihnen geduldeten und teilweise beförderten Zuständen erheblich zu leiden haben."

Der Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils lebe schon sehr lange hier und kaum jemand sei bewusst und willentlich in ein 'Party-Viertel' gezogen, heißt es in dem Brief weiter. "Auch hier leben von Familien mit schulpflichtigen Kindern bis zu Schichtarbeitern sehr viele Menschen, die ihren Schlafrhythmus nicht dem Partybetrieb anpassen können und wollen."

Von Berg: Verkaufsverbot und mehr Kontrollen

Die Bezirksamtsleiterin von Altona, Stefanie von Berg (Grüne), sieht das Problem, verweist aber auf erste Maßnahmen dagegen. So habe es an diesem Wochenende erstmals abends ein Verkaufsverbot für Alkohol im Viertel und dazu stärkere Polizeikontrollen gegeben. An langfristigen Lösungen werde gearbeitet, versprach sie im Gespräch mit NDR 90,3. Dazu wurde jetzt auch das Projekt "Miteinander in der Schanze" gegründet. Dort werde mit allen über die Probleme gesprochen - auch mit Anwohnern und Gastronomen, sagte von Berg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.06.2020 | 09:00 Uhr

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