Hamburger Pella Sietas Werft: Mitarbeiter müssen gehen

Stand: 16.09.2021 16:29 Uhr

Die Hamburger Werft Pella Sietas hat vor rund anderthalb Monaten Insolvenz beantragt. Nun müssen die meisten der verbliebenen Mitarbeitenden gehen - weil es kein Geld mehr gibt.

Rund 200 Beschäftigte hat Pella Sietas noch. Und für die sei die Nachricht ein Schock, sagt Emanuel Glass von der Gewerkschaft IG Metall Hamburg. Schließlich hätten die Beschäftigten in den vergangenen Wochen darauf gehofft, dass es auf der Werft in Neuenfelde irgendwie weitergeht. Bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag informierte der vorläufige Insolvenzverwalter Achim Ahrendt die Beschäftigten nun darüber, dass das Insolvenzgeld verbraucht ist. Fast alle Beschäftigten würden wohl noch im September ihre Kündigung erhalten.

Wenig Hoffnung nach Gesprächen mit potenziellen Investoren

Neue Aufträge sind laut Ahrendt nicht in Sicht. Seit Mitte August seien mehr als 150 potenzielle Investoren angesprochen worden. Es gebe zwar erste unverbindliche Angebote, die signalisierten, auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer übernehmen zu wollen. "Keiner der Investoren kann und will aber die vorhandenen Aufträge zu den vereinbarten Konditionen fortführen", betonte Ahrendt. Deshalb wäre selbst im Falle einer Investorenlösung in den kommenden Monaten keine Beschäftigung vorhanden. Ahrendt sicherte zu, die Suche nach Investoren fortzusetzen. Im Falle einer Übernahme bestehe Hoffnung, dass bei Pella Sietas doch noch mehr Arbeitsplätze erhalten bleiben oder zumindest mittelfristig neue Arbeitsplätze entstehen.

Nur eine Rumpfmannschaft bleibt

Zuletzt hatte einer der letzten Kunden einen Auftrag für den Bau einer Fähre für die Nordseeinseln storniert. Bis auf eine Rumpfmannschaft, die das Gelände bewacht, sollen nun zum Monatsende fast alle Mitarbeitenden gehen. "Das ist eine traurige Nachricht für den Schiffbau", sagte Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik. Pella Sietas stehe weltweit für erstklassige Schiffe, so Lüken.

Werft zählt zu ältesten Schiffbaubetrieben der Welt

Die Werft zählt zu den ältesten Schiffbaubetrieben der Welt. Erstmals 1635 urkundlich erwähnt blieb sie über neun Generationen hinweg in Familienbesitz. 2014 war sie von der russischen Pella Shipyard aus einer früheren Insolvenz heraus übernommen worden.

Weitere Informationen
Kräne und ein Trockendock spiegeln sich im Wasser der leeren Werftanlage der Pella Sietas Werft in Hamburg. © picture alliance / dpa Foto: Jonas Walzberg

Kaum noch Hoffnung für Hamburger Pella Sietas Werft

Nach der Insolvenz stehen die Chancen schlecht, dass es für Deutschlands älteste Werft noch eine Zukunft gibt. (19.08.2021) mehr

Das Gelände der Pella Sietas Werft in Hamburg-Neuenfelde. © picture alliance

Hamburger Pella Sietas Werft stellt Insolvenzantrag

Bei der Traditionswerft wird jetzt ein Insolvenzverwalter eingesetzt. Hunderte Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. (29.07.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.09.2021 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Um einen Stapel Euromünzen und Euroscheine schweben stilisierte Corona-Viren. © Colourbox Foto: Anterovium, Antonio Vale

Corona-Soforthilfe in Hamburg: Ärger wegen Rückzahlungen

Rund ein Viertel der knapp 45.000 Betroffenen in Hamburg erhielt bislang Rückzahlungsforderungen der Stadt. mehr