Stand: 30.04.2020 10:01 Uhr

Hamburger Friseur-Innung kritisiert Corona-Auflagen

Birger Kentzler, Verbandsvorsitzender der Friseur-Innung Hamburg. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius
Birger Kentzler, Vorsitzender der Hamburger Friseur-Innung: "Verunsicherung wegen zahlreicher Auflagen."

Wenige Tage vor Wiedereröffnung der Friseursalons in Hamburg ist die Verunsicherung in der Branche groß. "Das Büro der Friseur-Innung hat sehr viel zu tun, weil so viele Anfragen eingehen. Alle sind verunsichert wegen der zahlreichen Auflagen", sagte der Verbandsvorsitzende, Obermeister Birger Kentzler, der Nachrichtenagentur dpa. Die zuständige Berufsgenossenschaft habe sechs Seiten Arbeitsschutz-Standards für das Friseurhandwerk geschickt. "Wenn ich das lese, frage ich mich schon, ob das nicht ein bisschen zu viel des Guten ist."

Neustart am 4. Mai - Andrang ist groß

Etwa 1.430 Salons gibt es in der Hansestadt. Sechs Wochen mussten die Friseurinnen und Friseure wegen des neuartigen Coronavirus schließen, nun sollen sie am 4. Mai wieder öffnen dürfen. Die Nachfrage bei den Kundinnen und Kunden ist groß. "Wir haben schon fast alle Termine für die ersten beiden Wochen nach Öffnung vergeben", berichtet Kentzler, der einen Betrieb im Stadtteil Bahrenfeld hat. Das sei auch bei vielen seiner Kollegen so.

Weniger Kunden können gleichzeitig bedient werden

Um Mindestabstände einhalten zu können, mussten teilweise Plätze abgebaut werden, sodass weniger Kundinnen und Kunden gleichzeitig frisiert werden können. "Zudem muss man nun nach jedem Kunden den Platz desinfizieren." Das brauche Zeit. Auch deshalb könnten weniger Kunden als vor der Krise bedient werden.

Probleme durch Mund-Nasen-Bedeckung

Birger Kentzler, Verbandsvorsitzender der Friseur-Innung Hamburg, montiert einen Plexiglasschutz zwischen den Haarwaschbecken in seinem Salon. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius
Für die Sicherheit der Kunden: Plexiglasschutz zwischen den Haarwaschbecken.

Markierungen für den Mindestabstand oder ein geschlossener Wartebereich - das sei alles sinnvoll und in Ordnung, meinte Kentzler. "Auch, dass man den Kunden keinen Kaffee servieren und keine Zeitung geben darf, das ist alles noch verschmerzbar - auch für die Kunden." Doch er sehe auch viele Schwierigkeiten, für die Lösungen gefunden werden müssten. Etwa beim Thema Mund-Nasen-Bedeckung für Friseure und Kunden. "Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie wird das beim Farbeauftragen. Mit Gummibändern um den Hinterkopf geht das schlecht", berichtete er.

Kein Trockenhaarschnitt

Wimpernfärben, Rasieren oder Bartpflege sind vorerst nicht mehr erlaubt. Auch Trockenhaarschnitte sind gestrichen. Der Obermeister rechnet damit, dass das einige Kunden abschreckt: "Es gibt einen Haufen Leute, die wollen das Waschen der Haare im Salon nicht bezahlen." Angesichts der vielen Auflagen hätten viele Friseure vor der Wiedereröffnung zwar gemischte Gefühle, betonte Kentzler. Doch etwas sei in der Branche ganz deutlich zu spüren: "Alle freuen sich auf ein Wiedersehen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.04.2020 | 11:00 Uhr

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