Stand: 09.03.2019 07:16 Uhr

Hamburger Flughafen: Kein Streik am Wochenende

Am Hamburger Flughafen wird es an diesem Wochenende keine Streiks geben. In dem festgefahrenen Streit um Tarife für das Bodenpersonal wollen sich die Verhandungspartner, die Gewerkschaft ver.di und die Flughafen GmbH, Anfang kommender Woche zu Sondergesprächen treffen.

Drohungen durch die Arbeitgeber

Zuvor hatte sich der Streit weiter zugespitzt. Die Arbeitgeber drohten damit, Jobs abzubauen und sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. "Wenn wir noch einen Schritt weiter auf die überzogenen ver.di-Forderungen eingehen, können wir das Geschäft wirtschaftlich so nicht mehr betreiben", sagte der Geschäftsführer der HAM Ground Handling, Christian Noack, am Freitag. Die Gewerkschaft müsse sich entscheiden, ob sie kurzfristig mehr Geld oder langfristig Jobs erhalten wolle. Noack bezeichnete den Verkauf der Bodenverkehrsdienste durch den Flughafen als realistisches Szenario, andere Airports hätten sich auch aus dem Geschäftsfeld zurückgezogen.

Kommentar

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Ver.di fordert 220 Euro mehr im Monat

Ver.di handelt für Beschäftigte in der Gepäckabfertigung, der Flugzeugreinigung und im Bustransport für Passagiere Tarife aus. Die Gewerkschaft fordert für die fast 1.000 Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste (BVD) eine monatliche Tariferhöhung von 220 Euro für alle. Das seien rund acht bis zwölf Prozent bei einer kürzeren Laufzeit von 20 Monaten, damit möglichst schnell alle Beschäftigten mindestens zwölf Euro pro Stunde verdienen, erläuterte ver.di-Verhandlungsführerin Irene Hatzidimou das Angebot. Das hätte schließlich auch die Stadt als Mindestlohn für ihre Betriebe ausgerufen. Fünf Tarifrunden sind bereits ergebnislos zu Ende gegangen. Die nächste ist für den 20. März angesetzt.

Bis dahin hatte ver.di weitere Streik nicht ausgeschlossen. Die Gewerkschaft wertete die Ankündigung der Gespräche aber als gutes Zeichen. Damit habe der Arbeitgeber erstmalig ein Signal gesetzt. Die Tarifkommission werde das Gesprächsangebot und seine Inhalte prüfen, hieß es am Freitag.

Gewerkschaft: Stadt ist gefordert

Die Gewerkschaft hatte die Stadt Hamburg am Mittwoch aufgefordert, sich als Mehrheitseigner des Flughafens in den Konflikt einzuschalten, um weitere Streiks abzuwenden. Die Stadt müsse sich für die Mitarbeiter in Unternehmen mit ihrer Mehrheitsbeteiligung verantwortlich fühlen, so die stellvertretende ver.di-Chefin Sieglinde Frieß. In einer Stadt, in der alles teurer werde, sei es unwürdig, mit Bruttoverdiensten von unter 2.000 Euro auskommen zu müssen. Die Stadt müsse eine Eskalation des Tarifkonflikts verhindern, so die Gewerkschaft.

Die Wirtschaftsbehörde erklärte jedoch, sie würde sich grundsätzlich nicht zu Tarifverhandlungen bei städtischen Tochterunternehmen äußern.

Angebote von Arbeitgeberseite

Die Arbeitgeberseite wird durch die Flughafentochter HAM Ground Handling GmbH vertreten. Eigenen Angaben nach bietet sie eine Lohnerhöhung von sieben Prozent bei 24 Monaten Laufzeit an. Die angebotene Erhöhung für Einsteiger von 11,3 Prozent bringe das Grundgehalt auf über zwölf Euro, dem geplanten Mindestlohn in städtischen Firmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.03.2019 | 20:00 Uhr

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