Stand: 15.10.2018 21:03 Uhr

Hamburger Chirurg im Krisengebiet

von Isabelle Wildberger und Florian Skupin

Daniel Hinck hat seinen Alltag im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg-Wandsbek eingetauscht: Routine gegen Krisengebiet, wieder einmal. Bereits zum 16. Mal hat der Chirurg seine gewohnte Umgebung für einen Auslandseinsatz verlassen. In diesem September ging es nach Mazar-i-Sharif, ins größte Lager der Bundeswehr in Afghanistan. Eine Gratwanderung zwischen zwei Welten.

Jedes Jahr eine andere Krisenregion

Zwei Drittel des Jahres ist der Familienvater Hinck in die Arbeit am Hamburger Bundeswehrkrankenhaus eingebunden. Zu seinem Tagesgeschäft im OP-Saal gehört zum Beispiel ein beidseitiger Leistenbruch. Ganz anders im übrigen Drittel des Jahres: Dann ist er Oberfeldarzt bei Auslandseinsätzen. Zahlreiche Stationen hat er schon hinter sich, unter anderem den Kosovo oder die Küste Somalias.

Diesmal muss er sich auf Afghanistan einrichten. Angst habe er nicht, betont er. Vermutlich hilft ihm die akribische Vorbereitung auf die Gegend: Der Arzt beschäftigt sich im Vorwege mit dem Klima in dem Land und mit den politischen Entwicklungen. Und er versucht, sich körperlich fit zu halten. Für den Einsatz in Afghanistan hat er wochenlang im Hochsommer in voller Montur trainiert.

Soldat und Sanitäter: Daniel Hinck in Afghanistan

2.000 Soldaten im Camp Marmal

Das Camp in Masar-I-Sharif liegt mitten in der Wüste. Am Horizont das Marmal-Gebirge, nach dem es benannt ist. Seit 2006 entsenden 21 Nationen ihre Soldaten hierher. Ihr Ziel: Frieden nach Nord-Afghanistan zu bringen.

Ein durchgetakteter Alltag ist deshalb Maßgabe: Nach Sonnenaufgang geht der Chirurg mit Assistenzärztin Stephanie Teichert in die Klinik auf dem Gelände. Zuerst steht der Doctor's Table auf dem Programm - die Dienstbesprechung des internationalen Ärzteteams. Hier wird auch über die aktuelle Sicherheitslage informiert. Dass in Afghanistan Parlamentswahlen anstehen, ist vor Ort spürbar. Soldaten berichten von steigender Nervosität und Anspannung im Land.

Behandlung schwer Verwundeter

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Visite im Camp Marmal.

Etwa 200 Patienten müssen pro Woche im Feldlazarett der Bundeswehr versorgt werden. Zum einen geht es um einfache hausärztliche Diagnosen, aber anders als in Hamburg auch um schwere Verwundungen wie Explosionsverletzungen und Schusswunden.

Da ist es für Hinck notwendig, durchzuatmen und das Gespräch mit Kollegen zu suchen, oft in den Cafés im Camp. Was ihm fast 5.000 Kilometer von zu Hause entfernt auch hilft, ist die Tatsache, dass er bereits zahlreiche Auslandseinsätze hinter sich hat. Und klar vor Augen hat: Es ist kein Abschied für immer.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal 18.00 | 16.10.2018 | 18:00 Uhr

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