Stand: 07.09.2020 14:25 Uhr

Hamburg hat ersten offiziellen Pop-up-Radweg

Hamburg hat seinen ersten offiziellen sogenannten Pop-up-Radweg: Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) hat den vorübergehenden Fahrradweg auf einer Straßenspur am Sonntag in Eimsbüttel vorgestellt. Seit Montag können die 3.000 bis 4.000 Radfahrer und Radfahrerinnen, die hier täglich unterwegs sind, die neue Spur auf der Straße Beim Schlump nutzen. Für Autofahrende bedeutet das: Sie können dort nur noch eine Spur je Richtung nutzen.

"Wirkliches Plus für alle Verkehrsteilnehmer"

Zwei Personen grenzen mit Hilfe einer Maschine die Fahrbahn für Fahrräder ab. © NDR Foto: Karsten Sekund
Der Pop-up-Radweg ist rund 500 Meter lang und bis zu 3,20 Meter breit.

"Wir glauben, dass es an dieser Stelle, wo es sonst gar keine Radverkehrsanlagen gibt, ein wirkliches Plus für alle Verkehrsteilnehmer ist", sagte Tjarks. "Zudem sind Pop-up-Bikelanes sehr schnell und mit geringen Kosten zu errichten." 60.000 Euro kostet die Einrichtung. Die Koordinatorin der Mobilitätswende, Kirsten Pfaue, meinte, dass die neue Spur "den Bedürfnissen vieler Menschen gerecht wird, die derzeit mit dem Rad unterwegs sind." Sie zahle direkt auf die Lebensqualität in der Stadt ein.

Nächster Pop-up-Weg noch in diesem Jahr

Die Pop-up-Bikelane läuft auf beiden Straßenseiten der Straße Beim Schlump zwischen Gustav-Falke-Straße und Bogenstraße und ist zwischen 2 und 3,20 Meter breit. Sie soll erst mal ein Jahr bestehen bleiben. Die Verkehrsbehörde will daraus Erkenntnisse gewinnen, die in den späteren Umbau der Straße einfließen sollen. Der nächste Pop-up-Radweg soll noch in diesem Jahr eingerichtet werden, nämlich in der Max-Brauer-Allee zwischen Holstenstraße und Stresemannstraße.

Berlin muss Pop-up-Radwege wieder abbauen

Pop-up-Radwegen gibt es in Deutschland bereits in Berlin, Stuttgart oder auch München. In Berlin hat ein Verwaltungsgericht allerdings gerade die Genehmigung für die temporären Radwege gekippt. Für ihre Genehmigung war als Rechtsgrundlage die Corona-Krise herangezogen worden. Die Zusatz-Radwege seien nötig, um in der Pandemie die Mobilität zu gewährleisten, hatte der Berliner Senat argumentiert. Dem folgte das Gericht jetzt nicht. Darum müssen wohl alle acht Pop-up-Radwege der Hauptstadt wieder abgebaut werden. Die Hamburger Verkehrsbehörde ist sich aber sicher, dass die Pop-up-Radwege in der Hansestadt sicher sind. Hier handelt es sich nicht um eine krisenbedingte Maßnahme, sondern um ein lange geplantes Experiment zur Verkehrswende.

In Hamburg gab es zuvor erste Aktionen, die allerdings nicht von der Stadt kamen. Der Allgemeine Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) etwa sperrte im Mai an der Alster eine Fahrbahn der mehrspurigen Straße für zwei Tage, damit sie von Radfahrerinnen und Radfahrern genutzt werden konnte.

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Ein Radfahrer fährt auf einem Pop-up-Radweg. © picture alliance/dpa Themendienst Foto: Zacharie Scheurer

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.09.2020 | 14:00 Uhr

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