Hamburg damals: Eröffnung Miniatur Wunderland vor 20 Jahren

Stand: 16.08.2021 06:13 Uhr

Es gilt als einer der Tourismus-Magneten in der Speicherstadt. Menschen aus der ganzen Welt kommen nach Hamburg, um sich das Miniatur Wunderland anzugucken. In dieser Woche äußerten die Betreiber allerdings, dass auch an ihnen die Pandemie nicht spurlos vorbeigeht.

Sie leiden unter deutlich weniger erlaubten Besucherinnen und Besuchern. Trotzdem ist das Miniatur Wunderland eine Erfolgsgeschichte, denn vor 20 Jahren eröffnete das Modelleisenbahn-Museum und wurde zum größten der Welt.

Utopische Idee

Gähnende Leere - um die Jahrtausendwende. Dass in den heruntergekommenen Lagerhallen der Speicherstadt aus Kleinem mal etwas ganz Großes entstehen würde, das ist das Resultat einer vermeintlich utopischen Idee zweier Brüder.

Der Plan: Die größte Modelleisenbahn der Welt

"Wir hatten eine Diskothek, das 'Voila' in Hamburg, das lief spitzenmäßig, aber ich wollte diese Oberflächlichkeit nicht mehr. Ich wollte was anderes machen. Das war nicht mehr meine Zukunft. Ich hatte keine Lust mehr auf Nachtleben", sagt Frederik Braun, Mitgründer des Miniatur Wunderlands. "Und dann bin ich in den Urlaub gefahren, die besten Ideen kommen immer dann, wenn man nicht damit rechnet. Ich war in Zürich, bin da durch die kleinen Gassen gewandert und da war ein winzig kleines Modelleisenbahngeschäft. Ich weiß bis heute nicht, warum ich da reingegangen bin. Ich stand da plötzlich drin und hatte diese Idee, das muss was mit der Kindheit zu tun haben. Und dann habe ich meinen Bruder angerufen und gesagt, komm, lass uns die größte Modelleisenbahn der Welt bauen". Frederik und sein Bruder Gerrit Braun mieten Räume in der Speicherstadt, nehmen einen Kredit auf und fangen an, ihren Traum von der großen Welt in Klein zu verwirklichen. Nach einem Bewerbungsverfahren in ganz Norddeutschland starten die Zwillinge gemeinsam mit 20 Modellbauenthusiastinnen und -enthusiasten - vom Bäcker bis zur Ingenieurin.

Rechtsstreit in der Bauphase

"Aber so richtig dran geglaubt, dass das ein Riesen-Erfolg wird, hat so gut wie keiner. Und das hat mich natürlich manchmal auch so ein bisschen nervös gemacht", sagt Braun. "Du glaubst selbst so fest an deine Idee, aber jeder in deiner Umgebung erzählt dir: Schmeiß' das Geld in den Fleet, da ist es besser aufgehoben. Da war ich echt nervös." Bereits während der Bauphase kommt ein Rechtsstreit hinzu. Ein Konkurrent klagt gegen den Werbeslogan "eine der größten Modelleisenbahnen der Welt". 500.000 D-Mark Ordnungsgeld oder sechs Monate Haft drohen - doch die Brauns gewinnen den Gerichtsprozess. Währenddessen nimmt die Anlage Form an. Doch die Mitarbeitenden haben Mühe, sie mit fertigen Miniaturen zu bestücken. Ob Landschaften oder Städte, vieles müssen die Laien in reiner Handarbeit bauen.

Technische Herausforderungen

"An Anfang waren die Hersteller gar nicht so richtig begeistert. Ich dachte, die küssen uns die Füße. Und wir hatten nur einen einzigen Wunsch: Wir wollten, dass man uns direkt beliefert, zu fairen Händler-Konditionen. Mehr wollten wir gar nicht und da mussten wir am Anfang darum kämpfen. Die Hersteller haben diese Idee teilweise nicht mal ernst genommen. das war schwierig", sagt Frederik Braun. Auch technisch stellt die computergesteuerte Anlage die Erbauer vor Herausforderungen. Elektro-Chaos und Kabelsalat sorgen für Probleme. "Noch nie hat jemand so eine Anlage gebaut. Und wir waren da vielleicht ein bisschen naiv. nach zwei Monaten haben wir gemerkt: Wenn wir weiterhin so die Verkabelung machen, kreuz und quer, nicht so richtig mit einem Schema, wir es nie im Leben was. Dann haben wir uns hingesetzt und beschlossen: Wir reißen das alles wieder raus, wir fangen bei null wieder an. Wir haben jetzt zwei Monate viel gelernt, das wenden wir jetzt an und versuchen das, richtig zu machen. Das war eine goldrichtige Entscheidung", sagt Frederik Braun, "sonst hätten wir das in ein bis zwei Jahren nochmal neu machen müssen".

Ein neues Wahrzeichen für Hamburg

In Sichtweite zum Michel entsteht mit dem Museum langsam ein neues Wahrzeichen. Zwar fallen noch kurz vor der Eröffnung Mitarbeitende auf die Anlage und machen rasante Neubauten nötig. Doch am 16. August 2001 ist alles fertig. Besucherinnen und Besucher strömen von nun an in die Anlage. Selbstfahrende Autos und Züge, Häuser und Menschen - beleuchtet im Tag- und Nacht-Rhythmus.

Das Miniatur Wunderland in Zahlen

Modellfläche: 1.499 Quadratmeter, Erweiterung um 3.000 Quadratmeter geplant
Abschnitte: 9
Züge: circa 1.040
Autos: 9.250
Lichter: rund 480.000
Figuren: 269.000
Bäume: 130.000
Arbeitsstunden: 947.500
Baukosten: 21 Millionen
Mitarbeiter: 360
Höchster Berg: Matterhorn (ca. 6 Meter)
Größtes Meer: Nordostsee im Skandinavien-Abschnitt (mit 30.000 Litern Wasser)

Viele neue Themenwelten

Im Laufe der Jahre entwickelt das Team zahlreiche neue Themenwelten - vom Hamburger Dom über Venedig bis hin zum Flughafen, der weltweit für Schlagzeilen sorgt. "Wenn mir damals mal jemand gesagt hätte, dass die 300 Quadratmeter, die wir hatten und riesengroß fanden, dass das irgendwann fünf Mal so viel Fläche sein würde, hätte ich gesagt: 'Du spinnst ja wohl.' Wir haben noch mindestens 1.000 Quadratmeter vor, auf der anderen Seite des Fleets im neuen Speicher zu bauen. Und wie ich uns kenne, ist dann immer noch nicht Schluss", sagt Braun.

100.000 Figuren und Szenen

Mehr als 100.000 Figuren und Szenen können Besucherinnen und Besucher heute betrachten. Mehr als 1.000 Züge und 9.000 Autos durchfahren die neun Mini-Welten, die sich über rund 1.500 Quadratmeter und mehrere Etagen eines ehemaligen Speichergebäudes erstrecken. Wenn im Miniatur Wunderland etwa alle 20 Minuten die Nacht beginnt, beleuchten rund 480.000 Lichter die Landschaften.

Aus Kleinem Großes schaffen

Jüngste Neuerung ist die Kirmes, die Mitte 2020 eröffnet wurde und mit vielen neuen Fahrgeschäften die Vorgänger-Kirmes im Knuffingen-Abschnitt ersetzt. Und auch in den nächsten Jahren soll das Miniatur Wunderland weiter wachsen. Für das Frühjahr 2022 ist die Eröffnung des Abschnitts "Monaco und Provence" geplant, dann soll Südamerika folgen, später - ab Ende 2026 - Asien. Aus Kleinem Großes zu schaffen - im Miniatur Wunderland ist das gelungen.

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Dieses Thema im Programm:

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