Hamburg damals: Als Neuwerk einen Tiefwasserhafen bekommen sollte

Stand: 08.02.2021 06:55 Uhr

Ende 1970 präzisiert Hamburg seine Pläne für einen Tiefwasserhafen auf der Insel Neuwerk - zum Leidwesen der Bewohnenden.

Im Jahre 1970 ist Hamburgs erster Bürgermeister Herbert Weichmann auf dem Weg nach Neuwerk. Die Stadt will auf der Insel einen Tiefwasserhafen bauen. Viele Neuwerkerinnen und Neuwerker sind damals gegen diese Pläne. Neuwerk-Bewohner Lüder Griebel erinnert sich: "Eigentlich fanden wir das nicht gut, weil wir auch alle ein bisschen Angst hatten, dass Neuwerk dabei in die Hose geht." Er und die anderen Bewohnenden der Insel fühlten sich damals machtlos.

Neuwerk seit Ende des 13. Jahrhunderts Teil Hamburgs

In seiner Geschichte muss sich Neuwerk immer wieder den Interessen Hamburgs unterordnen. Die Hansestadt sichert sich Neuwerk Ende des 13. Jahrhunderts. Von hier aus soll die Außen- und Unterelbe gegen Angriffe geschützt werden. Dafür wird der Wehrturm gebaut. Der gilt heute als das älteste Gebäude Hamburgs.

Insel gehört zeitweise zu Niedersachsen

1937 geht Neuwerk im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes an Preußen. Nach dem Krieg fällt die Insel Niedersachsen zu. Solange, bis in Hamburg die Idee vom Tiefwasserhafen entsteht. Christoph Strupp von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg erklärt: "Da geht es vor allem um die Öltanker. Da war die berechtigte Sorge, dass Schiffe dieser Größe den Hamburger Stadthafen nicht mehr würden erreichen können. Und da schien Neuwerk am tiefen Wasser der Nordsee mit einem sehr günstigen Zugang für große Schiffe geeignet."

Baugrund Wattenmeer wird untersucht

1962 gibt Hamburg Hafengelände in Cuxhaven an das Land Niedersachen ab - und erhält im Gegenzug Neuwerk. Noch im selben Jahr beginnt eine Forschungsgruppe den Baugrund Wattenmeer zu untersuchen. Lüder Griebel und andere Neuwerker fahren die Vermessungstechniker raus ins Watt. Mehr als zehn Jahre lang.

Bewohner: Insel sollte freigemacht werden von Bewohnern

Als zwei historische Höfe frei werden, fackelt Hamburg nicht lange. Lüder Griebel erinnert sich: "Die Höfe wurden nicht nur gekauft, sondern die sind gleich abgerissen worden. Also, du hast gesehen, was da kommt: Der Staat hatte vor, die Insel freizumachen von Einwohnern, damit nicht so viel Gegenwehr kommt."

Die Pläne der Stadt sehen nicht nur einen Hafen vor. Rund sieben Kilometer vor Neuwerk soll sich auch Industrie ansiedeln: Raffinerien, Stahlwerke. Ein Damm soll das Areal mit dem Festland verbinden. Sogar von einem Atomkraftwerk ist die Rede.

Widerstand wächst

In den 1970er Jahren wächst der Widerstand gegen das Projekt. Umweltschützerinnen und Umweltschützer beteiligen sich daran - und auch Politikerinnen und Politiker. Viele zweifeln an der Wirtschaftlichkeit des geplanten Hafens. 1979 werden die Planungen eingestellt. Und seit 1990 gehört die Region zum Nationalpark Wattenmeer.

VIDEO: Neuwerk - Hamburgs Handvoll Insulaner (59 Min)

 

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 07.02.2021 | 19:30 Uhr

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