Hamburg bekommt halbe Milliarde Euro für Wasserstoff-Projekte

Stand: 28.05.2021 11:56 Uhr

Die Bundesregierung will umweltfreundliche Wasserstoffenergie voranbringen und fördert Großprojekte mit acht Milliarden Euro. Aus Hamburg wurden mehrere Projekte zum Thema "Grüner Wasserstoff" für Fördergelder ausgewählt.

Aus dem Kohlekraftwerk Moorburg soll eine Wasserstoff-Produktion werden. Und ein eigenes Leitungsnetz soll Hamburg mit anderen Standorten in ganz Europa verbinden. Die Bundesregierung habe die Hansestadt in einem nationalen Vorentscheid beim Förderprogramm "Important Projects of Common European Interest (IPCEI)" für den Notifizierungsprozess bei der Europäischen Kommission ausgewählt, teilte der Hamburger Senat mit.

520 Millionen Euro Fördergeld für Hamburg

Laut Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) geht es insgesamt um Investitionen in Höhe von etwa 1,6 Milliarden Euro, davon rund 520 Millionen Euro öffentlich gefördert. "Gerade wenn man Innovationen treiben möchte, muss man auch ein bisschen groß denken. Das haben wir mit Moorburg getan", sagte Westhagemann. "Und heute bin ich natürlich sehr froh darüber, dass Herr Altmaier genau dieses auch ausgewählt hat." Es sei eines der größten Einzelprojekte für Elektrolyseure. "Für Hamburg und Norddeutschland bedeutet das: Ich glaube, wir können die Nummer eins werden in Deutschland, wenn es um die Frage geht, wie man diese neue Industrie am schnellsten entwickelt."

Tschentscher: "Wichtiger Schritt für den Klimaschutz"

Die Förderung ist Teil eines EU-weiten Projektes, mit dem grüner Wasserstoff gefördert und der CO2-Ausstoß der Industrie verringert werden soll. "Wasserstoff ist der zentrale Energieträger der Energiewende", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Hergestellt aus erneuerbaren Energien könne er Kohle, Erdöl und Erdgas ersetzen. "Mit der Aufnahme Hamburger Vorhaben in das IPCEI-Programm kann die Dekarbonisierung in Industrie und Wirtschaft weiter Fahrt aufnehmen - das ist ein Gewinn für Hamburg und ein wichtiger Schritt für den Klimaschutz im Norden."

Insgesamt sollen 62 deutsche Projekte im Rahmen einer großen europäischen Wasserstoff-Allianz gefördert werden. Die Anträge gehen als Nächstes nach Brüssel. Dort werden sie im Rahmen einer EU-weiten Initiative geprüft. Die Zusage für 520 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsminister sei aber sicher, sagte Westhagemann im Gespräch mit NDR 90,3. Hamburg plant auch, im Hafen eine Anlaufstelle für Wasserstoff-Importe zu werden.

"Grüner" Energiespeicher Wasserstoff

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Um umweltfreundlichen Wasserstoff zu erzeugen, werden regenerative Energien wie Solar­ oder Windenergie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Regenerativ erzeugter, sogenannter "grüner" Wasserstoff, ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Er kann nach Darstellung von Experten auch zeitliche und räumliche Schwankungen der Stromgewinnung aus Solar- oder Windenergie ausgleichen.

Ein Großteil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs ist allerdings "grauer Wasserstoff": Er entsteht als Nebenprodukt in der Chemieindustrie oder wird aus fossilen Energieträgern erzeugt. Bei dem Verfahren wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. (Quelle: dpa)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.05.2021 | 13:00 Uhr

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