Ein Wasserstöpsel in Form eines Hamburger Gullideckels ist in einem Waschbecken zu sehen. © picture alliance/dpa Foto: Marcus Brandt

Hamburg Wasser zieht Bilanz: Trockenheit hinterlässt Spuren

Stand: 06.05.2021 13:38 Uhr

Die Hitze- und Trockenperioden des vergangenen Jahres haben deutliche Spuren in der Hamburger Wasserbilanz hinterlassen.

Während der kommunale Versorger Hamburg Wasser 2020 mit fast 120 Millionen Kubikmetern 2,2 Prozent mehr Trinkwasser abgab, schrumpfte die Abwassermenge um 3,3 Prozent auf gut 146 Millionen Kubikmeter. "Das zeigt ganz klar, dass hier weniger Niederschlagswasser im Klärwerk gelandet ist", berichtete der technische Geschäftsführer von Hamburg Wasser, Ingo Hannemann, am Donnerstag.

Wegen Corona: Höherer Verbrauch bei Privathaushalten

Auch die Corona-Pandemie hatte deutliche Auswirkungen auf den Trinkwasserabsatz, allerdings nicht auf die Gesamtmenge, sondern auf die Verteilung auf verschiedene Gruppen von Kundinnen und Kunden. "Wir sehen ganz klar, dass zum Beispiel Gewerbebetriebe, auch Hotels deutlich weniger Wasser verbraucht haben, dafür haben die Privathaushalte deutlich mehr verbraucht, und das hat sich ungefähr die Waage gehalten."

Folgen des Klimawandels

Hamburg bezieht sein Trinkwasser aus Grundwasser. Wenn alle rund 460 Brunnen und die Wasserwerke unter Volllast fahren, werden rund 450.000 Kubikmeter pro Tag aufbereitet. An normalen Tagen reicht das aus. Aber im Sommer des vergangenen Jahres verbrauchten die Hamburgerinnen und Hamburger an 19 Tagen jeweils knapp über 400.000 Kubikmeter. Pro Tag etwa einmal die Binnenalster voll. "Grundsätzlich verfügen wir zwar über sichere Grundwasservorkommen mit bester Wasserqualität. Trockenheit, Hitze und Starkregen zeigen jedoch, dass der Klimawandel reale Folgen hat - auch bei uns", sagte Aufsichtsratschef Michael Pollmann.

Appell: Wasser sparen

Nicht nur im Dürresommer vorigen Jahres, auch gerade im Herbst und Winter regnete es viel zu wenig in Hamburg. "Wir müssen beim Wasserverbrauch umdenken", sagte Natalie Leroy, Geschäftsführerin von Hamburg Wasser. Die Landwirtschaft müsse effizientere Bewässerungssysteme einsetzen - ein Sprenkler in der Mittagshitze sei da zum Beispiel nicht das Richtige. Das gelte übrigens auch für die privaten Rasenbesitzer. Die Industrie müsse mehr auf Wasser-Wiederverwendungsanlagen setzen. Und die privaten Pool-Besitzer sollten eher das Wasser wiederaufbereiten, als immer neu zu füllen.

50 Millionen Euro für Neubau und Sanierung von Brunnen

Um die Versorgung langfristig zu sichern, will Hamburg Wasser in den nächsten fünf Jahren allein in den Neubau und die Sanierung der Brunnen rund 50 Millionen Euro stecken, wie Leroy ankündigte. Das Unternehmen versorgt rund zwei Millionen Menschen in der Hamburger Metropolregion mit Trinkwasser.

Hamburg Energie wird mit Wärme Hamburg zusammengeführt

Hamburg Energie, bis Ende des Jahres noch unter dem Konzerndach von Hamburg Wasser, versorgte 2020 rund 127.000 Kunden (plus 3,3 Prozent) mit Strom und rund 27.000 Kunden (plus 3,8 Prozent) mit Gas. Der Versorger liefert ausschließlich Ökostrom aus regenerativen Quellen und deckt mittlerweile 72 Prozent des Verbrauchs aus eigener Produktion. Hamburg Energie soll zum 1. Januar 2022 mit dem ebenfalls kommunalen Versorger Wärme Hamburg zusammengeführt werden. Wie das neue Unternehmen heißen soll, ist noch offen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.05.2021 | 13:00 Uhr

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