Stand: 11.12.2019 17:17 Uhr  - NDR 90,3

"Hamburg-Takt" soll 50 Prozent mehr Fahrgäste bringen

Taktverdichtungen, mehr Busse und mehr Haltestellen: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will den Öffentlichen Nahverkehr in der Hansestadt massiv ausbauen. Am Mittwoch hat er seine Pläne erläutert, nach denen die Zahl der Fahrgäste durch neue Bahnen und Busse bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent wachsen soll. Das würde bedeuten, dass der Anteil des Nahverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen in der Hansestadt von derzeit 22 Prozent auf rund 30 Prozent steigen würde.

Der "Hamburg-Takt" soll in zehn Jahren stehen

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Nicht mehr als fünf Minuten soll man bald in Hamburg auf den nächsten Bus oder die nächste Bahn warten müssen.

Erreichen will Tschentscher das unter anderem mit dem "Hamburg-Takt": "In den nächsten zehn Jahre wollen wir dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger innerhalb von fünf Minuten ein öffentliches Nahverkehrsangebot erreichen können." Seine Nahverkehrs-Vision sieht vor, ganz Hamburg voranzubringen, konzentriert sich aber auf Stadtteile, die noch nicht gut mit Bussen und Bahnen erschlossen sind.

Rückgrat sind neue Schnellbahn-Linien wie die S4 nach Bad Oldesloe oder die U5 zwischen Bramfeld, St. Georg und Lokstedt. Doch dem Bus kommt eine neue Bedeutung zu: 600 weitere Bus-Haltestellen sollen innerhalb von zehn Jahren entstehen.

Weiter draußen sollen Sammeltaxis helfen

Und wer weit draußen lebt? "Im Alten Land, in den Vier- und Marschlanden wird es keine Buslinien geben können, die rund um die Uhr in engem Takt fahren. Für diese Gebiete brauchen wir 'On-Demand-Angebote'." Gemeint sind damit Ruf-Dienste von Sammeltaxis, die zum HVV-Preis an die Haustür kommen.

Durch die angekündigten Maßnahmen sollen jährlich eine Million Tonnen CO2 eingespart werden. "Es wird schrittweise besser werden", kündigte Tschentscher an. Bis 2030 soll die Zahl der Busse von aktuell 1.500 bei den Verkehrsunternehmen um 750 emissionsfreie Fahrzeuge steigen.

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Kosten: Mehrere Hundert Millionen Euro

Für die Umsetzung der Pläne benötigten die Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) rund 2.500 zusätzliche Fahrer, berichtete Hochbahn-Chef Henrik Falk. Für die Hadag sind zur Fahrgastbeförderung auf der Elbe vier neue Fähren und 22 zusätzliche Mitarbeiter vorgesehen. Tschentscher rechnete mit Investitionen von zusätzlich mehreren Hundert Millionen Euro pro Jahr.

Kritik von der Opposition

Für den Hamburger CDU-Spitzenkandidaten Marcus Weinberg sind diese Pläne rückwärtsgewandt. Zu einer "echten Mobilitätswende" gehörten für die CDU unter anderem ein 365-Euro-Jahresticket, pünktlichere Busse und Bahnen sowie alternative Angebote wie eine MetroTram Altona. Die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Heike Sudmann, sieht die "Angebotsoffensive" kritisch. Auch sie plädierte für die Wiedereinführung einer Stadtbahn, die Tschentscher erneut ablehnte. Für die FDP-Fraktion war die Präsentation gespickt mit "viel Ankündigung, wenig Konkretem und keinem soliden Finanzierungskonzept".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.12.2019 | 17:00 Uhr

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