Hamburg: Mahnwache gegen Antisemitismus unter Polizeischutz

Stand: 02.10.2021 18:17 Uhr

Vor zwei Wochen wurde einer von ihnen hier verprügelt: Trotzdem sind am Sonnabend rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Mahnwache gegen Antisemitismus und für Israel auf die Mönckebergstraße gekommen - beschützt von der Polizei.

Der Mitte September hier angegriffene 60-jährige Jude hat womöglich bleibende Verletzungen am Auge erlitten. Die Mahnwache soll ihm und anderen jetzt Mut machen: "Ihr seid nicht allein, wir stehen an Eurer Seite. Gerade dann, wenn Ihr angegriffen, denunziert und attackiert werdet", sagte Andreas Müller, Sprecher vom Netzwerk "FokusIsrael".

Filmfest-Chef streitet mit Teilnehmenden

Auch der Chef vom Hamburger Filmfest, Albert Wiederspiel, selbst jüdischen Glaubens, kam vorbei, um sich solidarisch zu zeigen. Auch weil der mutmaßliche Schläger von vor zwei Wochen in einem Festival-Film in einer Nebenrolle zu sehen ist. Wiederspiel geriet allerdings in einen Streit mit Teilnehmenden der Mahnwache über ihre Haltung zur Politik Israels. "Mir wurde gestern erzählt, es finde eine Mahnwache gegen Antisemitismus und Judenhass statt. Da habe ich gesagt, da komme ich auch", sagte Wiederspiel. "Dass es nun eine Mahnwache für Israel ist, war mir nicht klar. Damit habe ich ein Problem."

"Kein sicheres Land für jüdische Menschen"

Jan Schneidereit, Sprecher der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, machte auf Fälle von alltäglichem Antisemitismus aufmerksam. "Ich kenne viele Freunde jüdischen Glaubens, die ganz bewusst einen Davidstern tragen, ihn in manchen Gegenden in Hamburg und Berlin dann aber verstecken, weil sie sich nicht sicher fühlen", sagte er dem Hamburg Journal. "Es gibt leider reihenweise Belege, dass es kein sicheres Land für jüdische Menschen ist, obwohl es das sein sollte." Man sollte alles daran setzen, dass es ein sicheres Land werde, so Schneidereit.

Das Opfer des antisemitischen Angriffs von vor zwei Wochen konnte am Sonnabend aus gesundheitlichen Gründen noch nicht wieder dabei sein. Mitte Oktober findet die nächste Mahnwache an gleicher Stelle statt.

Weitere Informationen
Zwei Jugendliche. Einer von ihnen steht unter Verdacht, einen 60-Jährigen attackiert zu haben.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 02.10.2021 | 19:30 Uhr

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