Stand: 08.04.2019 18:09 Uhr

Hamburg Commercial Bank: Mehr Geld für Vorstände

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Bei der Hamburg Commercial Bank können die Vorstände mit deutlich mehr Gehalt rechnen.

Seit ein paar Tagen ist es offiziell: Nach der Privatisierung müssen bei der ehemaligen HSH Nordbank mehr als 750 Mitarbeiter gehen. Betroffen sind Menschen an beiden Standorten der ehemaligen Landesbank in Hamburg und Kiel. Für die Vorstände der neuen Hamburg Commercial Bank gibt es dagegen nach Informationen von NDR 90,3 kräftige Gehaltssteigerungen.

"Vergütungssystem angepasst"

Im offiziellen Geschäftsbericht der Hamburg Commercial Bank für das Jahr 2018 heißt es dazu: "Bis zum erfolgreichen Abschluss der Privatisierung am 28. November 2018 war die Vergütung eines Vorstandsmitglieds der Hamburg Commercial Bank AG (ehemals HSH Nordbank) auf 500.000 Euro pro Jahr (Gesamtfestgehalt) beschränkt... Nach erfolgter Privatisierung hat die Hamburg Commercial Bank AG neue Anstellungsverträge mit den aktuellen Mitgliedern des Vorstands geschlossen. Dabei wurde das Vergütungssystem angepasst."

Branchenkenner: Vorstandsgehälter könnten sich verdoppeln

Das bedeutet: Nach Informationen von NDR 90,3 bekommen die amtierenden Vorstände der ehemaligen Landesbank künftig deutlich mehr Geld. Denn zum einen steigt für die Manager das jährliche Festgehalt. Und zum anderen werden bei der Hamburg Commercial Bank im Erfolgsfall künftig auch wieder Boni an die Vorstandsmitglieder ausgezahlt, die eine Hälfte davon in bar, die andere in Aktien. Branchenkennern zufolge dürften sich damit die Vorstandsgehälter bei der Hamburg Commercial Bank unterm Strich mehr als verdoppeln.

Bank will sich nicht äußern

Die Bank selbst will sich zu den konkreten Zahlen nicht äußern und verweist auf den Geschäftsbericht. Dort heißt es unter anderem auch: "Auf eine mögliche Prämie für die erfolgreiche Privatisierung (der HSH Nordbank) hat der Vorstand verzichtet." Tatsächlich wäre es also möglich gewesen, den ehemaligen HSH-Nordbank-Managern beim Verkauf der Landesbank eine Art Sonderbonus zu zahlen. Diesen hatten die Vorstandsmitglieder damals allerdings ausgeschlagen.

"Leider erwartbar": Hamburger Politik nicht überrascht

Kritik an der neuen Vergütungspraxis kommt aus der Hamburger Politik. Für Norbert Hackbusch von der Linken ist es "kein Wunder", dass der Vorstand von den neuen Besitzern - "den Höllenhunden aus den USA" - besonders ausgezeichnet werde. Auch Michael Kruse von FDP übte Kritik an den neuen Eigentümern, einem Konsortium von US-Investmentfonds. Kruse: "Das ist leider erwartbar gewesen, dass jetzt auch die Spielregeln von Hedgefonds gelten. Politisch ist diese Erhöhung so nicht vermittelbar."

Dressel: "Nicht mehr unser Unternehmen"

Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) reagierte dagegen zurückhaltender: "Also, wir hatten in der Tat ja zum Zeitpunkt, als die HSH Nordbank noch unsere Beteiligung war, auch eine sehr klare und strikte Begrenzung mit Blick auf die Vorstandsvergütung. Das heißt, dieses Thema 'Maß halten bei den Mangervergütungen in unseren Unternehmen', das ist uns und mir ein sehr wichtiges Thema. Aber die HSH Nordbank ist nicht mehr unserer Unternehmen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.04.2019 | 06:00 Uhr

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