Stand: 24.09.2020 14:14 Uhr

Hafenschlick bedroht die Elbvertiefung

Eigentlich sind die Baggerarbeiten für die Elbvertiefung zu einem großen Teil bereits fertig. Aber nach Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" schlägt die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) nun Alarm: Falls das Schlickproblem nicht schnell gelöst wird, bestehe die Gefahr, dass Schiffe mit mehr Tiefgang auch im kommenden Jahr nicht auf der Elbe fahren dürfen. Schlick aus dem Hafen könnte also dafür sorgen, dass die ausgebaggerte Fahrrinne immer wieder flacher wird.

VIDEO: Elbvertiefung: Schlick könnte Fahrrinne verflachen (3 Min)

Suche nach einer Deponie

Die Zeitung beruft sich auf ein internes Dokument der HPA. Die Wirtschaftsbehörde erklärt, bei dem Papier habe es sich nur um eine Art Entwurf gehandelt. Allerdings bestätigte Senatssprecher Marcel Schweitzer NDR 90,3, dass Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in die Suche nach einer neuen Schlickdeponie eingebunden ist.

Baggerschiffe verbreitern das Fahrwasser auf der Elbe. © NDR Foto: Screenshot
Baggerschiffe verbreitern das Fahrwasser der Elbe.

Es gab bereits Gespräche mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Angeblich geht es dabei um eine Fläche nördlich der Insel Scharhörn, die Hamburg gehört. Diese grenzt an den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer.

Immer mehr Schlick

Hamburg muss im Hafen seit Jahren immer mehr Schlick baggern, um die Fahrwasser auf Tiefe zu halten. Laut HPA liegt das vor allem daran, dass vom Oberlauf der Elbe weniger Wasser als sonst kommt, das den Schlick in die Nordsee spült. Schleswig-Holstein lässt in der Nordsee nur eine begrenzte Menge Schlick zu, den Hamburg verklappen darf.

Gegen die Pläne für eine neue Deponie gehen die Umweltverbände BUND, NABU und WWF auf die Barrikaden. Sie sprechen von "politischer Impertinenz" und fordern erneut, die Elbvertiefung sofort zu stoppen.

"Ein Eigentor geschossen"

Besonders ärgert die Umweltschützer, dass die Stadt die Deponie-Pläne bei den gemeinsamen Treffen des "Forums Tideelbe" verschwiegen habe. "Damit hat sich die Hafenverwaltung ein Eigentor geschossen." Sie verspiele "mühsam aufgebautes Vertrauen", so die Umweltverbände. Linken-Politiker Norbert Hackbusch will das Thema im nächsten Wirtschaftsausschuss besprechen. Die CDU erklärte, der Senat bekomme den Elbschlick einfach nicht in den Griff.

Hamburgs Wirtschaftsbehörde distanzierte sich von dem Papier. Es sei ein "unabgestimmter Vorentwurf" der Hafenverwaltung. Die Elbvertiefung sei nicht in Gefahr.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.09.2020 | 06:00 Uhr

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