Jens Kerstan (Grüne), Umweltsenator während einer Landespressekonferenz.

Hafen soll Leitungsnetz für Wasserstoff bekommen

Stand: 09.12.2020 07:41 Uhr

Wie können die großen Industriebetriebe in der Stadt ohne fossile Brennstoffe auskommen? Hamburg setzt dabei auf grünen Wasserstoff - und will deshalb im Hafen in den kommenden zehn Jahren ein eigenes Leitungsnetz aufbauen.

Wenn die größten Industriebetriebe im Hafen - etwa die Kupferhütte Aurubis, das Stahl- oder das Aluminiumwerk - nur noch mit umweltfreundlich produziertem Wasserstoff betrieben würden, könne der CO2-Ausstoß massiv gesenkt werden, sagte Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) am Dienstag bei der Landespressekonferenz. Die Rede ist von mehr als sieben Prozent - bezogen auf den gesamten CO2-Ausstoß in der Stadt. Damit käme Hamburg seinen Klimazielen schnell ein großes Stück näher, meint Kerstan.

Zulieferung aus Moorburg?

Woher der "grüne Wasserstoff" tatsächlich kommen soll, ist noch offen. Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) plant, dass auf dem Gelände des Kraftwerks Moorburg ein sogenannter Elektrolyseur gebaut wird, mit dem man überflüssigen Windstrom nutzen kann, um Wasserstoff als Energieträger zu gewinnen.

Importe per Pipeline oder Schiff

Laut Kerstan könnte die Abwärme dieser Anlage auch für das Hamburger Fernwärmesystem genutzt werden. Der Wasserstoff aus Moorburg würde aber bei weitem nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Deshalb gibt es Pläne, umweltfreundlichen Wasserstoff zu importieren - per Pipeline oder per Schiff.

Was ist "grüner Wasserstoff"?

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Für umweltfreundlichen "grünen Wasserstoff" werden erneuerbare Energien wie Solar­ oder Wind-Energie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Weitere Informationen
Michael Westhagemann © NDR Foto: Screenshot

Hamburg: Wasserstoff-Pflicht für Hafen-Lkw?

Hamburgs Wirtschaftssenator Westhagemann macht sich weiter für Wasserstoff-Energie in der Hafen-Logistik stark. (15.07.2020) mehr

Michael Westhagemann (parteilos) im Interview zu Wasserstoff im Hamburg Journal.

Hamburg will Wasserstoff-Wirtschaft etablieren

Bei Bussen, im Hafen und bei der Produktion: Hamburgs Wirtschaftssenator Westhagemann will stärker auf Wasserstoff als umweltfreundlichen Energieträger setzen. (15.07.2020) mehr

Regionsrat der Metropolregion Hamburg © Marion Köhler / Metropolregion Hamburg Foto: Marion Köhler

Metropolregion setzt auf grünen Wasserstoff

Die Metropolregion Hamburg will nach der Kritik in einer OECD-Studie enger zusammenrücken. Beim Thema Energie ruhen große Hoffnungen auf dem sogenannten grünen Wasserstoff. (04.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.12.2020 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Visualisierung: Coronavirus. © picture alliance / 360-Berlin

205 neue Corona-Fälle in Hamburg gemeldet

Der Inzidenzwert ist damit nach Angaben der Hamburger Sozialbehörde weiter gesunken - auf aktuell 111,5. mehr

Peter Tschentscher © picture alliance / dpa Foto: Ulrich Perrey

Vor Corona-Gipfel: Tschentscher wirbt für Homeoffice

Durch mobiles Arbeiten sollen in Hamburg die Corona-Zahlen sinken. Auch eine nächtliche Ausgangssperre ist im Gespräch. mehr

Tennisprofi Alexander Zverev (l.) mit Tennislegende Boris Becker © imago images/AAP

Alexander Zverev: Erst die Familie - und dann Becker?

Alexander Zverevs Trainer und Manager sind nun Vater und Bruder. DTB-Vize Dirk Hordorff hofft, dass Boris Becker Zverevs Coach wird. mehr

Bakery Jatta vom HSV © imago images / Eibner

HSV: Kein Ende im Fall Jatta - Ist das noch gerechtfertigt?

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, das die Identität des Fußballprofis klären soll. Ist das noch verhältnismäßig? mehr